Wie funktioniert Skifahren?

Tagungsbericht zur 45. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft „Schneesport an Hochschulen“ – „Wie funktioniert Skifahren?“

v.l.: Prof. Dr. Matej Supej & Prof. Dr. Veit Senner

Autoren: Anja Wehrle & Felix Winterhalder (Universität Freiburg)

Vom 12.-16. Dezember 2019 fand unter der Leitung der ash Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Stefan Künzell (Universität Augsburg), Prof. Dr.-Ing Dipl. Sportl. Veit Senner (TU München), Dr. Dieter Bubeck (Universität Stuttgart) und AOR'in Jutta Hannig (PH Heidelberg) die 45. Jahrestagung der dvs-Kommission Schneesport wie gewohnt in Hirschegg im Kleinwalsertal statt. Experten von Hochschulen, Verbänden, Industrie und Wirtschaft beteiligten sich an einem umfangreichen und interessanten Programm von wissenschaftlichen und fachtheoretischen Vorträgen, sowie von fachpraktischen Workshops. Das Leitthema „Wie funktioniert Skifahren?“ wurde dabei aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und diskutiert.

Einen gelungenen Auftakt verschaffte der Eröffnungsvortrag „How does skiing work“ von Prof. Dr. Matej Supej (Universität Ljubljana, Slowenien), der die physikalischen und biomechanischen Gesetze, welche im Skisport greifen anschaulich darstellte – ein Impuls für den entsprechenden Praxisworkshop am Hang, wobei hier das biomechanische Verständnis für gedriftete und gecarvte Kurven und dessen Einbindung in den Skiunterricht im Vordergrund stand. Matey Supej beeindruckte in einer natürlichen Art und Weise durch seine hohe fachwissenschaftliche und fachpraktische Kompetenz.

Dr. Peter Kovar (TU Kaiserslautern) bereicherte den Praxisblock mit einem pädagogischen Workshop „Schneesport erleben – Kompetenzen ermöglichen“. In der Auseinandersetzung mit den Themen „Lehrer- und Führungsrollen“ sowie „methodischen Variationen“ wurde u.a. die Kompetenzerfahrung in den Mittelpunkt gerückt. Weitere praktisch methodische Ausbildungsstationen wurden von kompetenten Ausbildern des Deutschen Skiverbands (DSV) und des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV) geleitet. Vielseitige Themenbereiche gaben Einblicke in die verbandsbezogene Unterrichtsphilosophie und das jeweilige Technikkonzept, wobei gleichzeitig die Möglichkeit zur Verbesserung des eigenen Fahrkönnens in den Bereichen Ski alpin, Snowboard und Ski nordisch eröffnet wurde. Folgende exemplarische Fragestellungen standen im Mittelpunkt: Wie funktionieren kurze Radien und welche qualitativen Maßnahmen ermöglichen eine gezielte Verbesserung? Wie gestalte ich einen begeisternden zielorientierten und individuellen (BIZ) Skiunterricht? Welche aktuellen Prüfungsformen und Bewertungen werden im DSLV angesetzt und welche Transfermöglichkeiten bestehen für die Hochschulen? Außerdem wurde der neue DSLV Ski Lehrplan „SKI FAHREN und unterrichten“ in Theorie und Praxis vorgestellt.

Neben den Themengebieten aus der Bewegungslehre und der Pädagogik konnten ebenso Vertreter aus der Skiindustrie und dem Skihandel Ihre Perspektiven vortragen. Die Einblicke des Entwicklungsingenieurs Dr. Robert Hecht von der Firma Völkl bezüglich der Skiproduktion waren exklusiv und konnten im Rahmen eines praktischen Ski Tests sehr gut mit der Theorie verzahnt werden. Doch was nutzt der perfekte Ski ohne den passenden Schuh? An der Stelle erklärte Tobias Hilbrand aus dem Fachhandel in Mittelberg/Kleinwalsertal, welche Fragen man sich für ein Skischuhfitting stellen muss und welche Standards derzeit auf dem Markt zur Verfügung stehen.

Aufgegriffen wurde das Thema Material von Prof. Dr.-Ing Dipl. Sportl. Veit Senner (TU München). Mit dem Anspruch einer größtmöglichen Sicherheit beforscht er in einem innovativen Forschungsprojekt die Entwicklung einer mechatronischen Skibindung zur Reduktion von Knieverletzungen. Wie Skifahren aus Sicht der Neuromotorik funktioniert zeigte Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage (Universität Münster) – über Videokonferenz zugeschaltet – in ihrem umfassenden Vortrag mit dem Titel „Motor learning, control and development in skiing“. Prof. Dr. Joachim Boos (Universität Münster) veranschaulichte eindrücklich, wie gut das Skifahren auch mit Handicap funktioniert. Es wurde hervorgehoben, dass die gegenwärtig stark diskutierten Konzepte der Inklusion und Integration vermehrt auch im Umfeld von Schneesportschulen Einzug halten sollten. Mit dem „Vergleich verschiedener Methoden des Risikomanagements“ im Schneesport beschäftigte sich die Arbeitsgruppe um Dr. A. Krumbholz mit M. Cronrath, J. Hanek und S. Hildebrandt (Universität Bochum). In ihrem Beitrag zeigten die Referenten auf, dass bei der Anwendung verschiedener Methoden zur Gefahrenbeurteilung in bestimmten Situationen unterschiedliche Ergebnisse ermittelt werden. Zum Thema „Internationalisierung und Vernetzung“ informierte Jutta Hannig (PH Heidelberg) über zahlreiche Möglichkeiten, wie man im Rahmen der europäischen Mobilitäts- und Förderprogramme Kooperationen und Finanzierungen sicherstellen kann. Dr. Dieter Bubeck (Uni Stuttgart) und Dr. Peter Kovar (TU Kaiserslautern) berichteten gemeinsam über Ihre Eindrücke des INTERSKI-Kongresses, welcher im März 2019 in Pamporovo/Bulgarien stattfand. Sie stellten den Status Quo nationaler und internationaler Netzwerke vor und verwiesen auf Kooperationsvorhaben für die Zukunft.

Resümierend ermöglichte die ash Tagung ein umfangreiches Programm, welches nicht zuletzt durch den Austausch untereinander sehr positiv aufgenommen wurde.

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