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Droht den öffentlichen Bädern das Aus?

Pressemitteilung vom 7. März 2014

50 Prozent der Kinder können nicht mehr sicher schwimmen – Tendenz steigend. Am Donnerstag trafen sich im Wiesbadener Opelbad Experten aus Sportwissenschaft, Verbänden, Kommunen und Wirtschaftsinstituten, um über Wege aus der Krise zu diskutieren. Eingeladen hatte die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) zusammen mit ihren Partnern dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Die aktuelle Situation ist alarmierend: Sinkende Schwimmfähigkeit bei Kindern, steigende Bäderkosten für die Kommunen, sinkende Attraktivität vorhandener Bäder, anhaltend hohe Zahl der Ertrinkungstoten. Was tun? „Schwimmen ist eine Kulturtechnik, wie Schreiben und Lesen, die alle Menschen erlernen sollten. Vor dem Hintergrund einer zunehmend alternden und ungesünder lebenden Gesellschaft wird es zur Pflicht, sich gesund zu halten. Hierfür ist das Schwimmen das geeignetste und preisgünstigste Mittel“, sagt Prof. Dr. Kuno Hottenrott, Präsident der dvs. „Und hierfür braucht es geeignete Bäder, die für jedes Alter, vom Kleinkind bis zum Hochbetagten, für Schule, Verein und für die Öffentlichkeit eine Schwimmmöglichkeit anbieten“, ergänzt Prof. Dr. Robin Kähler, Sprecher der Kommission „Sport und Raum“ in der dvs.

Der dvs sind die finanziellen Probleme der Kommunen zwar bewusst. Professor Hottenrott entlässt die Politiker aber nicht aus ihrer Verantwortung: „Jede Entscheidung, Mittel da und nicht dort einzusetzen, ist eine politische“. Es gilt, das Bewusstsein der Politiker in den Kommunen wieder mehr für das Schwimmen zu sensibilisieren und die örtlichen Schwierigkeiten mit den kommunalen Bädern so zu beheben, dass kein Bad mehr geschlossen werden muss. Hierfür sollen gemeinsam mit DOSB, dem Deutschen Schwimmverband (DSV) und anderen Fachverbände, wie dem DLRG Daten wissenschaftlich erhoben und das Thema bundesweit mehr politisiert werden. Professor Hotterott: „Es muss mehr in die Köpfe der Kommunen, dass die Kosten für Fehlentwicklungen höher sind als die notwendigen Investitionen in Erhaltungsmaßnahmen für ihre Bäder“.

Als Fazit betonten die Experten ihre Forderungen an Kommunen und Bildungspolitik, sich ihrer Verantwortung zu stellen. So herrschte Einigkeit darüber, sicherzustellen, dass jedes Kind innerhalb der Grundschulzeit schwimmen lernt. Als Maßstab könne hierfür das DLRG-Bronze-Abzeichen dienen, vergleichbar mit dem ehemaligen „Freischwimmzeugnis“.

Ebenso kritisierten sie die Fehlentwicklungen, die viele Kommunen in ihren Bädern zulassen. „In zahlreichen Untersuchungen konnten wir feststellen, dass kommunale Bäder zu wenig auf die richtige Auslastung achten und das Geld selbst rauswerfen, das sie dann als fehlende Einnahmen beklagen“, mahnt Professor Kähler. Denn grundsätzlich scheint eher ein Umverteilungsproblem zu bestehen, wie Politik- und Managementberater Frank Mayrahn von 2hm mit Fakten belegt: Laut Analysen stellen der Konsum im Schwimmbereich eine hohe volkswirtschaftliche Rendite von 4,85 Mrd. EUR/Jahr dar.

Daher ist sich die dvs mit allen Verbänden einig, dass die notwendigen Investitionen sich auch volkswirtschaftlich lohnen „und sicherlich auch wieder Olympiasieger ermöglichen“, so Andreas Klages vom DOSB, „denn wenn keiner mehr schwimmen kann, fehlen auch Olympiasieger“.

Kontakt:
Prof. Dr. Kuno Hottenrott,
Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)
E-Mail: kuno.hottnerott[at]sport.uni-halle.de
Tel. 0179-6720845

Prof. Dr. Robin Kähler,
Sprecher der dvs‐Kommission „Sport und Raum“
E-Mail: rkaehler[at]email.uni-kiel.de
Tel. 0173-7596249

Pressemitteilung (PDF)

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