Betriebliches Gesundheitsmanagement der Zukunft im Fokus der Diskussion

Ralph Goldschmit
Eröffnungsphase des Expert/innen-Workshops
Tagungsort: Evangelische Akademie von Frankfurt/M.

5. Interdisziplinärer dvs-Expert/innen-Workshop, 08.06.2018 in Frankfurt/M.

Rund 70 Teilnehmer/innen aus ganz Deutschland kamen am 8. Juni 2018 in die Evangelische Akademie von Frankfurt, um darüber zu diskutieren, wie wir zukünftig arbeiten werden und welche Chancen, aber auch Risiken für die Gesundheit aus dem Wandel der Arbeitswelt erwachsen. Für die Herausforderung im Zeitalter der Digitalisierung und des demografischen Wandels stand der Slogan „Arbeit 4.0 – bewegt gestalten“. Eingeladen zum 5. Interdisziplinären dvs-Expert/innen-Workshop „Sportwissenschaft im Zukunftsfeld Betriebliches Gesundheitsmanagement“ hatte die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), ausgerichtet hatte ihn die dvs-Kommission Gesundheit.

Nach den Grußworten von Dr. Sabine Voermans von der Techniker Krankenkasse und Lothar Räcke vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport stimmten die Keynote-Speaker Ralph Goldschmidt (Goldschmidt & Friends) und Prof. Dr. Bertolt Meyer (TU Chemnitz) die Teilnehmer/innen auf das Themenfeld „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ und die nachfolgenden Workshops ein.

Sportwissenschaftler und Volkswirt Ralph Goldschmidt stellte fest, dass Anpassungsfähigkeit und Lerngeschwindigkeit der Menschen häufig nicht mit der Geschwindigkeit des Wandels der Arbeitswelt mithalte. Das führe vielfach zu Burnout oder, wie er es nannte, zum „bösen B-Wort“. „Ich möchte dafür sorgen, dass es Ihnen gut geht, damit Sie dauerhaft Ihr Bestes geben können“, sagte er. Dafür sei es wichtig, auf sich selbst achtzugeben, seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und sich selbst an erste Stelle zu setzen.
Bertolt Meyer von der TU Chemnitz ging in seiner Keynote unter anderem auf den Bereich Industrie 4.0 ein. Neue Entwicklungen wie Exoskelette würden ermöglichen, dass Menschen, in einer dem demografischen Wandel unterliegenden Gesellschaft, körperliche Belastungen länger ausüben könnten. Die Digitalisierung der Arbeitswelt beschrieb Bertolt nicht nur als Chance, sondern auch als Risiko. So bedeute Betriebliches Gesundheitsmanagement für viele Arbeitgeber vornehmlich Verhaltensprävention und weniger Verhältnisprävention. „Die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse kommt deutlich zu kurz“, so Meyer. „Und Zeitmanagementkurse für gestresste Mitarbeiter empfinde ich als ein starkes Stück.“

Digitalisierung, Demografie und Diversität
In drei themenspezifischen Workshops diskutieren Sportwissenschaftler/innen, Expert/innen aus allen Bereichen der Gesundheits- und Arbeitswissenschaften sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Politik und von Kostenträgern im Anschluss über Digitalisierung, Demografie und Diversität. Im Vordergrund stand dabei der interdisziplinäre Austausch.
Anhand von mitgebrachen Abstracts stellten Sportwissenschaftler/innen ihre Forschungsarbeiten vor und setzten Impulse für eine bewegte Diskussion. Dabei ging es wie im Workshop „Digitalisierung“ nicht nur um eine Bestandsaufnahme beziehungsweise Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstands. So fragten die Teilnehmer/innen nicht nur, wie man heute digitale Systeme im Betrieblichen Gesundheitsmanagement nutzt, sondern gingen auch der Frage nach Ansätzen für eine zukünftige praxisbezogene Forschung nach, auch vor dem Hintergrund der Initiierung von neuen Projekten mit Partnern aus Politik, Kostenträgern und Wissenschaft.

Ausblick 2019
Die dvs-Kommissionen Gesundheit wird sich weiterhin mit dem Thema "Betriebliches Gesundheitsmanagement" beschäftigten und dieses u. a. bei der kommenden Jahrestagung 2019 (04.-06.04.2019) in Hamburg aufgreifen.

Die dvs plant bereits an dem 6. Interdisziplinären dvs-Expert/innen-Workshop, welcher im April 2019 in Heidelberg zum Thema "Anleitung zum Irrtum? Erkenntnistheoretische und wissenschaftsökonomische Bruch- und Baustellen sportwissenschaftlicher Forschung" veranstaltet wird.