Sport und Narzissmus

Jahrestagung der dvs-Sektion Sportphilosophie
5. bis 7. November 2020 in Darmstadt

Der Zusammenhang von „Sport und Narzissmus“ wurde bereits 1988 von Dietmar Kamper im Rahmen einer Problemskizze aufgezeigt. Am Beispiel des Extrembergsteigens verdeutlicht der Autor, wie frühe Ohnmachtserfahrungen beim Bergsteigen in Richtung eines äußersten Willens zur Macht verändert werden können. Mit jedem gelingenden Schritt wird die reale Lebensgefahr durch die Imagination des Todes aufgewogen. Der Sport bietet darüber hinaus zahlreiche weitere Möglichkeiten narzisstischer Selbstvergewisserungen. Während Narziss als mythische Figur aufgrund seiner Hybris und Selbstbezogenheit noch negativ gesehen wurde, bieten heute konkurrenzorientierte Systeme wie der Leistungssport sehr gute Voraussetzungen für Ich-zentrierte Verhaltensweisen. Dies gilt etwa für Vorstellungen idealer Sportlerpersönlichkeiten, für Heldeninszenierungen im Leistungs-, Abenteuer- und Risikosport, für den Gruppennarzissmus und die Machtphantasien von Sportfans, für mediale Selbstdarstellungen von Athleten etc. Im Rahmen der Tagung sollen daher hieran anknüpfende Konzepte der Identitäts- und Subjektbildung im Sport aufgegriffen werden. Während Fragen der Leistung („Prometheus“) und Anpassung („Odipus“) im Feld des Sports bereits bearbeitet wurden, soll nunmehr der Aspekt erhöhter Autophilie, Abwehrkraft und Selbstbezogenheit („Narziss“) genauer in den Blick genommen werden. Die Tagung richtet sich an Vertreter*innen der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen der Sport- und Mutterwissenschaften.


Kontakt und Ausrichter:

Prof. Dr. Franz Bockrath und Dr. Kathrin Schulz
Institut für Sportwissenschaft
Technische Universität Darmstadt
Arbeitsbereich Sportpädagogik/Sportgeschichte
Magdalenenstr. 27
64289 Darmstadt
Tel.: 06151-16-24111 (Sekr.)
E-Mail: bockrath@ifs-tud.de