„Wir und die Anderen“. Auswirkungen von Differenzkonstruktionen auf Sport und Sportunterricht

26. Jahrestagung der dvs-Kommission "Geschlechter- und Diversitätsforschung"
24. bis 26. September 2020 in Freiburg

Differenzordnungen (Geschlecht, Klasse, ‚race‘, sexuelle Orientierung, etc.) sind eng mit Machtordnungen verwoben, die sich in Routinen des Körpers, der Sprache und des Denkens widerspiegeln und Auskunft über den je eigenen Platz im hierarchischen Gefüge einer Gesellschaft geben. Nach Mecheril (2008) operieren diese Ordnungen mit einer exklusiven Logik, die die Einzelnen auffordert, sich in dieser ausschließenden Logik einzuordnen und darzustellen: beispielsweise als weiß oder schwarz, Mann oder Frau, Einheimische oder Zugewanderte, behindert oder nicht-behindert. Individuen werden in diese Ordnung einsozialisiert, nach ihren Regeln diszipliniert und normalisiert. Da diese Ordnung auf Eindeutigkeit angelegt ist, werden alle, die sich nicht entsprechend dieser Logik verhalten und zuordnen können oder wollen, abgewertet oder diskriminiert, z. B. durch Stereotypisierungen, Stigmatisierungen, Essentialisierungen und Defizitzuschreibungen, und in diesem Prozess von bestimmten Ressourcen und/oder Zugehörigkeiten ausgeschlossen. Differenzordnungen sind hierarchisch organisiert, einige Zugehörigkeiten werden gegenüber anderen privilegiert, vor allem die Zugehörigkeit zum „Wir“ gegenüber den „Anderen“.

Differenzordnungen können nun in wissenschaftlichen Diskursen und/oder (sport-)pädagogischen Interventionen gestützt, (re-)konstruiert oder aber mit einer kritischen Haltung gegenüber gesellschaftlichen Normalisierungsanforderungen konfrontiert werden (Walgenbach, 2014, S. 106).

Fragen, die sich bezüglich des Tagungsthemas „Wir und die Anderen. Auswirkungen von Differenzkonstruktionen auf Sport und Sportunterricht“ stellen, sind: Inwiefern trägt auch Sportwissenschaft und Sportpraxis zu Differenzierungsdynamiken bei, die diskriminierende und exkludierende Wirkungen haben? Auf welche Weise entfalten Differenzordnungen im Vereinssport, in Trend- und Abenteuersport oder im Schulsport ihre Wirkungen? Wie könnten und sollten die festgelegten Strukturkategorien daraufhin geprüft werden, ob sie nicht gerade Abweichungen und die Konstruktion von Anderen begünstigen? Inwiefern können intersektionale Ansätze und Forschungszugänge (z. B. Winker & Degele, 2009) für eine solche Reflexion über vorherrschende Differenzordnungen und ihre (Re-)Konstruktionen fruchtbar gemacht werden?

In den Tagungsbeiträgen soll es darum gehen, Strukturen und Prozesse zu analysieren, in denen Differenzen in Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Lebens- führung usw. zwischen sozial ungleichen Gruppen hervorgebracht, Generalisierungen, Stereotypisierungen aufgestellt und übergreifende Gemeinsamkeiten nicht thematisiert werden. Ebenso sind Beiträge willkommen, die sich kritisch mit etablierten Begrifflichkeiten in diesen Diskursen, z. B. aus postkolonialer, postmigrantischer und geschlechterreflexiver Perspektive, auseinandersetzen.

Kontakt:
Prof. Dr. Gabriele Sobiech
Pädagogische Hochschule Freiburg
Fak. I - Institut für Soziologie
Hochschulsportzentrum
Schwarzwaldstr. 175
79177 Freiburg
Tel.: 0761-682-708 oder 0761-682-700
Mail: sobiech@ph-freiburg.de