Prof. Dr. Ulrich Göhner ist am 4. Januar 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben. Er hat das Tübinger Institut für Sportwissenschaft und die deutsche Bewegungswissenschaft über viele Jahre nachhaltig geprägt. Alle, die ihn kannten und mit ihm zusammengearbeitet haben, gedenken seiner in tiefer Trauer.
Als Sohn einer Tübinger Familie studierte er an der Universität seiner Heimatstadt Sport, Mathematik und Physik. Es folgten die Promotion in Mathematik und die Habilitation im Fach Sportwissenschaft über Bewegungsanalyse im Sport. Hierfür wurde Ulrich Göhner mit dem bis heute renommiertesten Wissenschaftspreis der deutschen Sportwissenschaft ausgezeichnet, dem Carl-Diem-Preis des Deutschen Sportbundes (heute DOSB-Wissenschaftspreis). Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2004 hatte er über 25 Jahre den Lehrstuhl für „Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Bewegungslehre/Biomechanik“ am Tübinger Institut inne. Ulrich Göhner engagierte sich während seiner Tätigkeit als Ordinarius auch in verschiedenen Organisationen, Verbänden und Gremien: In den Anfangsjahren der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft war er von 1977 bis 1983 Vorstandsmitglied, für sein Engagement im Deutschen Verband für das Skilehrwesen e.V. wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Außerdem leitete er ab dem Jahr 2000 für mehrere Jahre die Kommission für Studium und Lehre der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Tübinger Universität und von 2001 bis 2009 widmete er sich als 1. Vorsitzender dem Förderverein des Instituts für Sportwissenschaft e. V., den er mit ins Leben gerufen hatte.
Bewegungswissenschaftlich ist der Name Ulrich Göhner untrennbar mit der funktionalen Betrachtungsweise sportlicher Bewegungen verbunden. Mit seinen wegweisenden Arbeiten über diese Perspektive beeinflusste er sowohl die Sportwissenschaft als auch die Sportpraxis in Schule und Verein nachhaltig. Noch viele Jahre nach seiner Emeritierung war Ulrich Göhner ein enger Partner für das baden-württembergische Kultusministerium, wenn es um die Gestaltung der Inhalte für das Leistungsfach Sport ging. Daneben haben mehrere Sportverbände ihre Lehrpläne und Vermittlungspraxis an der funktionalen Betrachtungsweise sensu Göhner orientiert. Seine Schriften sind deshalb noch heute in der Ausbildung von Sportlehrkräften zentraler Gegenstand.
Neben dem leidenschaftlichen Wissenschaftler war Prof. Dr. Ulrich Göhner auch ein sportlich sehr aktiver Mensch. Stand für ihn als junger Erwachsener das Turnen an erster Stelle, so nahm das Skilaufen im Laufe seines Lebens mehr Zeit ein. Unvergessen sind seine „Schneehexen“, eine Gruppe von Kolleg:innen, die das Formations-Skifahren auf Musik entwickelte und prägte. Im Ruhestand wechselte Ulrich Göhner noch einmal seine sportlichen Betätigungsfelder, jetzt wurden regelmäßige Radtouren seine Passion. Vielfalt benötigt aber auch eine Konstante, und diese war bei Ulrich Göhner ohne Zweifel das Tennisspiel, welches er über Jahrzehnte regelmäßig praktizierte.
Ulrich Göhner wäre nicht vollständig gewürdigt, würden man ihn nicht auch in seiner familiären Zugewandtheit als Ehemann, Vater und Großvater erinnern. Seine Familie und sein Tübinger Heim waren für ihn immer auch Lebensmittelpunkt.
Mit Prof. Dr. Ulrich Göhner hat die Deutsche Sportwissenschaft, wissenschaftliche Weggefährt:innen sowie die Kolleg:innen und ehemalige Studierende des Tübinger Instituts für Sportwissenschaft einen hochkompetenten sowie engagierten, verlässlichen, hilfsbereiten und liebenswerten Kollegen verloren. Wir werden seine erfolgreiche Arbeit in Forschung und Lehre in ehrender Erinnerung behalten. Mit seiner Familie nehmen wir, dankbar für die Zeit miteinander, Abschied.
Prof. Dr. Stefan König & Prof. Dr. Oliver Höner
