Mit großem Bedauern nehmen die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) und der Fakultätentag Sportwissenschaft (FSW) die Entscheidung der Technischen Universität Darmstadt zur Schließung des Instituts für Sportwissenschaft zur Kenntnis. Diese Entscheidung stellt einen tiefen Einschnitt dar – nicht nur für den Standort Darmstadt, sondern für die Sportwissenschaft in Deutschland insgesamt.
Das Institut für Sportwissenschaft an der TU Darmstadt war über Jahrzehnte hinweg ein fester und hoch angesehener Bestandteil der sportwissenschaftlichen Hochschullandschaft. Es zeichnete sich durch eine besondere inhaltliche Breite und zugleich durch eine klare wissenschaftliche Profilbildung aus. Mit der Schließung gehen zentrale und innovative Forschungsschwerpunkte verloren, für die der Standort national wie international sichtbar war. Dazu zählen die biomechanische und neuromechanische Analyse menschlicher Bewegung, Bewegungsmodellierung und -diagnostik sowie die Verbindung von Bewegung, Technik und Assistenzsystemen genauso wie Forschungsarbeiten zu Serious Games, mentaler Gesundheit, Belastungen im Sport sowie zur Doping- und Präventionsforschung. Damit enden gewachsene interdisziplinäre Forschungslinien an der Schnittstelle von Sport, Gesundheit, Technik und Gesellschaft.
Ebenso schwer wiegt die Entscheidung im Hinblick auf die Lehrer:innenbildung, die angesichts des bundesweit anhaltenden Lehrkräftemangels von zentraler bildungspolitischer Bedeutung ist. Der Standort Darmstadt war ein wichtiger Ausbildungsort für Südhessen. Andere Universitäten der Region arbeiten bereits an oder über ihrer Kapazitätsgrenze; eine kurzfristige Übernahme zusätzlicher Studierendenkohorten ist nicht realistisch. Die Schließung verschärft somit bestehende strukturelle Engpässe.
Auch auf regionaler Ebene sind erhebliche Auswirkungen zu erwarten: Absolvent:innen der TU Darmstadt sind in Sportvereinen und -verbänden, im Gesundheits- und Rehabilitationswesen, in der Prävention, der Kinder- und Jugendarbeit sowie im Leistungs- und Nachwuchssport in der Region tätig. Das Institut war eng mit der Region vernetzt und trug maßgeblich zur Sicherung qualifizierter Fachkräfte bei. Seine Schließung wird sich daher mittel- und langfristig auch auf die sportliche Infrastruktur, Gesundheitsangebote und ehrenamtliche Strukturen in Südhessen auswirken.
Uns ist bewusst, dass die hessischen Hochschulen unter erheblichem finanziellem Druck stehen und Entscheidungen vor dem Hintergrund des Hochschulpakts getroffen werden müssen. Gleichwohl dürfen Haushaltszwänge nicht dazu führen, ganze Fächer und Institute aufzugeben, deren wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Relevanz und bildungspolitische Bedeutung außer Frage stehen. Universitäten tragen Verantwortung gegenüber ihren Studierenden, ihren Beschäftigten und der Gesellschaft.
Gerade für eine Technische Universität wie Darmstadt, die sich programmatisch mit Themen menschlicher Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz befasst, war und ist die Sportwissenschaft kein Randfach. Sie bildet eine zentrale Brücke zwischen Technik, Mensch und Gesellschaft und leistet einen eigenständigen Beitrag zur Bearbeitung zentraler Zukunftsfragen.
Aus diesem Grund hatten sich sowohl der Fakultätentag Sportwissenschaft als auch die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft im Vorfeld der Entscheidung jeweils mit eigenständigen Schreiben an die Universitätsleitung der TU Darmstadt gewandt, um auf die weitreichenden Folgen einer Schließung hinzuweisen und nachdrücklich für den Erhalt des Instituts zu werben. Trotz dieser Interventionen und der breiten Unterstützung aus der sportwissenschaftlichen Fachgemeinschaft konnte die Entscheidung jedoch nicht verhindert werden.
Der Fakultätentag Sportwissenschaft und die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft bedauern diese Entwicklung ausdrücklich. Sie sehen darin einen nachhaltigen Verlust für die Wissenschaftslandschaft und die Lehrer:innenbildung sowie ein problematisches Signal in einer Zeit, in der Sport eine zentrale Rolle für Integration, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt – und in der Deutschland zugleich über eine mögliche Olympiabewerbung diskutiert.
Prof. Dr. Ansgar Schwirtz Prof. Dr. Christopher Heim
dvs-Präsident Vorsitzender Fakultätentag Sportwissenschaft