Auf dem Weg zu einem Routinetermin erreichte mich der Anruf aus der dvs-Geschäftsstelle: Bernd Strauß ist am Sonntag, dem 27.09.2026, verstorben. Ich war – wie vermutlich alle anderen auch – völlig überrascht und außerdem tief getroffen. Das strahlende Sonnenwetter an dem Morgen passte leider so gar nicht zu dieser Nachricht und zu meiner Trauer. Denn Bernd Strauß war auf meinem beruflichen Weg über viele Jahre ein Wegbegleiter und Bruder im Geiste gewesen. Auch deshalb hatte ich ihn gebeten bei meiner Pensionierung die Abschiedsrede zu halten. Was uns beide verband, war der gemeinsame Hintergrund der Psychologie und die Auffassung von Sportwissenschaft als empirische Wissenschaft und als wichtiges Bindeglied zur Sportpraxis.
Bernd Strauß studierte Psychologie in Kiel, promovierte und habilitierte dort. Seine Arbeiten zu sozialpsychologischen Fragestellungen des Sports und insbesondere zum Zuschauerverhalten waren Vorbild für weitere Forschung und ein wichtiger Bestandteil in der sportpsychologischen Lehre. Diese Arbeiten und weitere, die folgten, zeigten außerdem, wie wichtig gute Forschungsmethodik für Wissenschaft im Allgemeinen und für die Sportwissenschaft im Besonderen ist, ein Anliegen, das auch seinem Mentor und beruflichen Förderer in Kiel – Herbert Haag – besonders am Herzen lag.
Der berufliche Weg von Bernd Strauß begann zwar in der Psychologie, aber nicht zuletzt durch seine Tätigkeit am Lehrstuhl für Sportpädagogik in Kiel entwickelte er ein besonderes Verständnis für Sportwissenschaft mit ihrer Verbindung von Wissenschaft und Praxis ebenso wie für die Verbindung von Psychologie mit Sport und Bewegung. Beides – Sportwissenschaft und Sportpsychologie – hat seine Arbeit maßgeblich geprägt. Nachdem er 1998 die Professur für Sportpsychologie in Münster übernommen hatte, konnte er diese Verbindung in seiner Forschung und in seinem öffentlichen Wirken weiter ausbauen. Dafür zeugen seine zahlreichen Ämter und Aktivitäten in sportwissenschaftlichen Organisationen. So war er nicht nur in der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) im Präsidium und als Präsident tätig, er arbeitete auch in den Redaktionskollegien der Zeitschrift für Sportpsychologie (heute: Journal of Applied Sport and Exercise Psychology) und der Sportwissenschaft mit (heute: German Journal of Sport and Exercise Research). Auch wurde er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.
Bernd Strauß trat am 01. September 1987 in die dvs ein. Von 2003 bis 2009 war er Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs). In diese Zeit fallen unter anderem der Sportwissenschaftliche Hochschultag in Münster (2003); die Bildung eines Ethik-Rats (2003); das Memorandum zur Sportwissenschaft (2005), erneuert unter seiner Beteiligung 2017; die Gründung der Sektionen Sportmedizin (2005) und Sportökonomie (2005); die Mitherausgabe der Zeitschrift Sportwissenschaft durch die dvs (2006) und ihre Überführung in den Springer-Verlag (2009); die dvs-Erklärung zum Doping im Leistungssport (2007); und nicht zuletzt die erstmalige Teilnahme des Studienfachs Sport/Sportwissenschaft am CHE-Hochschulranking (2009).
Bernd Strauß erhielt 2012 die Goldene Ehrennadel der dvs und wurde 2019 ihr Ehrenmitglied. Von da an meldete er sich bei Anrufen mit der dvs-Geschäftsstelle mit dem launigen Spruch „hier spricht euer Ehrenmitglied“. Und wer Bernd Strauß kannte, weiß, es war ihm ernst damit. Im Jahr 2025 fand der Sportwissenschaftliche Hochschultag in Münster statt. Heute wissen wir: letztmalig unter Beteiligung von Bernd Strauß. Seine letzte Aktivität in der dvs-Schriftenreihe war die Mitherausgabe von Band 307 (zusammen mit Michael Kolb und Martin Lames) zum Thema 100 Jahre Sportwissenschaft – Von der Kieler Talentschmiede ins Digitalzeitalter.
Bernd Strauß wird uns ganz sicher fehlen, aber er hat viele Fußstapfen hinterlassen, denen wir folgen können. Das tröstet mich. Und ich bin dankbar für sein Engagement, für seine wissenschaftliche Arbeit, und für die Zeit, die ich mit ihm verbringen durfte, denn sie war stets auch geprägt von seinem freundlich-heiteren und kollegialen Umgangsstil.
Gez. Dorothee Alfermann, Universität Leipzig

