Bericht zum dvs-Nachwuchsworkshop am 25./26.09.2020 in Remagen

Bericht zum dvs-Nachwuchsworkshop am 25.-26.09.2020 in Remagen

Am 25.-26. September trafen sich 18 Nachwuchswissenschaftler/innen zum 30. dvs-Nachwuchsworkshop am RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz in Remagen. Der Schwerpunkt des Workshops lag auf Fragestellungen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich, war jedoch auch für übergreifende Themenfelder im Sport offen. Das Programm beinhaltete Arbeitskreise zur Diskussion von aktuellen bzw. sich in Planung befindenden Qualifikationsarbeiten und disziplinübergreifende Impulsvorträge. Auf gemeinsame soziale Aktivitäten musste in diesem Jahr aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen leider verzichtet werden.

In der Begrüßung brachte Sören Wallrodt (Sprecher der dvs-Kommission „Wissenschaftlicher Nachwuchs“) seine Freude über eine Präsenzveranstaltung in Zeiten der Corona-Pandemie zum Ausdruck und ermunterte die Teilnehmer/innen des Workshops, die Möglichkeiten des fachlichen und persönlichen Austausches zu nutzen. Im Anschluss daran umriss Prof. Dr. Lutz Thieme die Entstehungsgeschichte und die thematischen Schwerpunkte des Standorts Remagen. Dr. David Jaitner schließlich leitete in die Veranstaltung ein, indem er Selbstständigkeit, Reflexivität und Unabhängigkeit als Kennzeichen wissenschaftlicher Mündigkeit und themenübergreifenden Aspekt der Impulsvorträge hervorhob.

Mit der Frage des Bewusstseins über das eigene Tun als Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler knüpfte Dr. Marcel Reinold (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) an die Idee eines mündigen Wissenschaftlers an. In seinem Vortrag „Geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf den Sport: Charakteristika, Wert und Nutzen“ ordnete Dr. Reinold die Kulturwissenschaften als querliegenden, transdisziplinären Forschungsbereich ein, der sich im Kern durch systematisch reflektierte Interpretationen auszeichnet. Am Beispiel des Dopings konnten Wert und Nutzen der kulturwissenschaftlichen Forschung konkret veranschaulicht werden.

In einem zweiten Impuls referierten Dr. Kim Joris Boström (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) und Dr. David Jaitner (Technische Universität Braunschweig) gemeinsam zu erkenntnistheoretischen Fundamenten empirischer Forschung. Dr. Boström, der seinen Vortrag „Das bekannte Unbekannte“ titelte, umriss zunächst das Humesche Problem der Induktion sowie den damit verbundenen Falsifikationismus Karl Poppers. Darauf aufbauend wurden grundlegende Zusammenhänge der Statistik anhand anschaulicher und gegenwärtiger Beispiele geschildert. Dr. Jaitner verdeutlichte in seinem Vortrag „Erkenntnistheoretische Fundamente qualitativer Forschung“ anhand eines Fallbeispiels exemplarisch Zusammenhänge von methodischen Verfahrensschritten, methodologischen Grundannahmen und erkenntnistheoretischen Grundlagen. Er legte zunächst wesentliche Aspekte einer pragmatischen Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie dar, bevor er sich vertieft der Methodologie und methodischen Vorgehensweise der Grounded Theory widmete. Im Anschluss an die beiden erkenntnistheoretischen Impulsvorträge folgte eine kritische Diskussion über Unterschiede und Kombinationsmöglichkeiten qualitativer und quantitativer Forschungsansätze.

Der Nachwuchsworkshop wurde inhaltlich von Dr. Katharina Geukes (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) Impulsvortrag über „(Why and) How to Open Science“ abgerundet. Dr. Geukes reflektierte zunächst aktuelle Herausforderungen der wissenschaftlichen Forschungspraxis in Bezug auf „bad scientific practice“, geglättete Daten und dem „file-drawer-problem“, um anschließend auf das Potential von „Open Science“ im Hinblick auf die Qualität wissenschaftlichen Arbeitens einzugehen. Dabei zeigte sie konkrete Anwendungsmöglichkeiten von Open Science in Form von „Registered Reports“ oder etwa der Veröffentlichung eigener Daten und Datencodes auf. Vor diesem Hintergrund wurden Chancen und Risiken von Open Science im Plenum abgewogen und auf die Umsetzung in einzelnen sportwissenschaftlichen Fachbereichen geprüft.

Äußerst gewinnbringend und bereichernd für die Teilnehmer/innen des Nachwuchsworkshops war die Gestaltung der Arbeitsgruppen. Vier bis fünf Doktoranden/innen konnten in den jeweiligen Arbeitsgruppen unter der Leitung von Prof. Dr. Pamela Wicker (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Erin Gerlach (Universität Potsdam), Prof. Dr. Sebastian Ruin (Karl-Franzens-Universität Graz) und Prof. Dr. Mirko Wegner (Humboldt-Universität Berlin) das eigene Qualifikationsvorhaben präsentieren. Die kleine Gruppengröße erlaubte es, die theoretischen, inhaltlichen, methodischen und strategischen Belange der Vortragenden in drei Sessions ausführlich zu besprechen. Ferner erkannten die Teilnehmer/innen des Workshops, dass Themen-, Informations- oder Relevanzkrisen im Zuge des Qualifikationsvorhabens Herausforderungen darstellen, die alle gleichermaßen betreffen. Auf diese Weise profitierten nicht nur die Vortragenden selbst, sondern auch die Zuhörer/innen von den Arbeitsgruppen nachhaltig.

Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen war es leider nicht möglich, soziale Aktivitäten im Rahmen des Nachwuchsworkshops durchzuführen. Dennoch boten die einzelnen Programmpunkte genügend Raum und Zeit, sich mit dem sportwissenschaftlichen Nachwuchs und den anwesenden Professoren/innen intensiv auszutauschen. Ein ganz besonderes Dankeschön gilt den Organisatoren Sören Wallrodt und Dr. David Jaitner, die den 30. dvs-Nachwuchsworkshop unter diesen schwierigen Umständen überhaupt erst möglich gemacht haben. Zusätzlich danken die Nachwuchswissenschaftler/innen allen Referenten/innen und Tutoren/innen für ihr freiwilliges und außerordentliches Engagement.

Quelle: Annabell Schüßler & Julius Haag (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

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