Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wildor Hollmann

Sportmediziner Wildor Hollmann verstorben

Deutschlands höchstdekorierter Sportmediziner, DGSP-Ehrenpräsident, Mit-Initiator der „Trimm-Dich“-Bewegung und Mendener Ehrenbürger Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wildor Hollmann ist am gestrigen Donnerstag, den 13. Mai 2021 gestorben. Der weltbekannte Internist, Kardiologe und Forscher konnte sich von einer erlittenen Coronavirus-Infektion nicht mehr erholen. Hollmann wurde 96 Jahre alt.

Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft von 1943 bis 1947 studierte Hollmann in Köln Medizin, promovierte 1954 und habilitierte sich 1961. Nach Gründung des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin erhielt er einen Lehrstuhl für Kardiologie und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln. Als Prorektor, Dekan und Rektor des medizinisch-naturwissenschaftlichen Fachbereichs der DSHS verhalf er der Institution in über 14 Jahren Forschungs- und Leitungsarbeit zu internationalem Ruf, setzte einen großzügigen Ausbau durch und erreichte dort das Promotions- und Habilitationsrecht. Im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit stand durchgehend die Bedeutung der körperlichen Aktivität für Gesunderhaltung und Leistungsförderung. Dazu entwickelte er Pionierkonzepte wie beispielsweise für ambulante Herzsportgruppen und war Vater der noch heute praktizierten Bewegungsinitiative „Trimm dich!“, die durch die sogenannten „Trimm-Dich-Pfade“ noch heute viele Menschen in körperliche Aktivität bringt.

Auch nach der Emeritierung 1990 blieb Hollmann aktiv in Forschung und Lehre; über 1000 Diplomarbeiten und mehr als 200 Promotionsarbeiten entstanden unter seiner Betreuung. Er verfasste mehrere Bücher und mehr als 800 Publikationen. Der bis zu seinem Tod immerzu sportlich aktive Hollmann war u. a. Ehrenmitglied von 14 internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften. Mit der Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Schulterband und Stern im Jahr 2000 und der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 2002 war Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wildor Hollmann zudem Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin FIMS und der DGSP.

Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention ist in tiefer Trauer um ihren Ehrenpräsidenten, der bis kurz vor seinem Tod noch Sondervorlesungen für Studierende an der DSHS Köln gehalten hat. Dort wurde ihm zu Ehren bereits im Januar 2020 das Wildor-Hollmann-Forum eingerichtet, das die Dauerausstellung „Wildor Hollmann — ein bewegtes Leben“ beherbergt. Bereits 2013 erschien seine Autobiografie „Ziel und Zufall — Ein bewegtes Leben“ im Sportverlag Strauß.

DGSP-Präsident und DOSB-Olympiaarzt Prof. Dr. med. Bernd Wolfarth unterstreicht das wissenschaftliche Erbe Hollmanns: „Die bereits 1958 von Prof. Hollmann verfasste Definition von ‚Sportmedizin‘ ist noch heute gültig und wird seitdem in seiner englischen Fassung vom Weltverband der Sportmediziner*innen (FIMS) geführt. Seine sportmedizinische Pionierarbeit hat Generationen von Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen geprägt und seine Forschungserkenntnisse gelten noch heute als Meilensteine in vielen Bereichen der Sportmedizin.“

DGSP-Vizepräsidentin und Präsidentin des Sportärztebundes Nordrhein e.V., dem Hollmann angehörte, Prof. Dr. med. Dr. sportwiss. Christine Joisten unterstreicht die menschlichen Qualitäten Hollmanns: „Wildor Hollmann war trotz seines wissenschaftlichen Standings stets freundlich und bescheiden. Diese Charaktereigenschaften haben ihm nicht nur in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sein hohes Renommee eingebracht, sondern auch den Respekt von vielen Generationen von Studierenden. Im Hörsaal hing der wissenschaftliche Nachwuchs förmlich an Wildor Hollmanns Lippen.“

Quelle: www.dgsp.de, 14.05.2021

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