Prof. Dr. Manfred Letzelter feiert 80. Geburtstag

Prof. Dr. Manfred Letzelter feiert 80. Geburtstag

Sprinter und Sportwissenschaftler: Prof. Dr. Manfred Letzelter wird 80 Jahre alt

Der renommierte Mainzer Sportwissenschaftler und ehemalige Weltklasse-Sprinter Prof. Dr. Manfred Letzelter vollendet am Dienstag, dem 18. August, sein 80. Lebensjahr. Manfred Letzelter lief 1970 im Zenit seiner Laufbahn als Leichtathlet einen Hallen-Weltrekord mit 21,5 Sek. über 200 m auf einer Holzbahn in Berlin. Der Sportwissenschaftler Letzelter war von 1973 bis zu seiner Emeritierung Leiter der Abteilung Trainings- und Bewegungswissenschaft am Fachbereich Sport der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Manfred Letzelter wurde in Ludwigshafen am Rhein geboren und wuchs in Fischbach bei Dahn (Kreis Pirmasens) auf. Sein Weg in den Sport führte ihn zunächst in den ortsansässigen Sportverein, der allerdings nur aus einer Fußallabteilung bestand. Letzelter brachte es über den FK Pirmasens immerhin als Jugendlicher in die Südwest-Auswahl. Seine ersten „Laufversuche“ begann er im Alter von zwölf Jahren: Das erste Wettkampferlebnis über 100 m war ein Duell gegen seinen Vater, den er in seinem nebenherfahrenden Auto überholte. Manfred Letzelter studierte in München und Freiburg und erzielte den Abschluss als Diplom-Sportlehrer, gelangte während dieser Zeit in Freiburg in eine Trainingsgruppe von Woldemar Gerschler (1904-1982), wo er quasi mit „Studium am eigenen Leibe“ besondere (Intervalltrainings-)Erfahrungen mit seinem zukünftigen Lehr- und Forschungsgebiet machen sollte. Letzelter verfügt weiterhin über Wettkampferfahrungen im Schwimmen und im Handball.

Manfred Letzelter startete nach einem kurzen Abstecher zum TSV 1860 München bis 1966 für den USC Freiburg, danach für den USC Mainz, wo ihm längst die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde. Während seiner Aktivenzeit war er viermal Deutscher Meister und stellte mit 10,2 Sek. (auf einer Aschenbahn) einen deutschen Hochschulrekord auf. Mit ihm als Startläufer erzielte die 4x100-m-Staffel des USC Mainz 1971 einen Europarekord für Vereinsmannschaften. Seine persönlichen Bestleistungen über 100 m sind 10,1 Sek., über 200m 21,0 Sek. Seine Bestleistung im Weitsprung beträgt 7,21 m. Und dann war da noch die „Flop-Sache“ mit seiner Frau Helga (geb. Kieß), später ebenfalls Universitätsprofessorin für Sportwissenschaft in Mainz, die als erste Frau in Deutschland den damals aus den USA importierten „Fosbury-Flop“ binnen vier Wochen bei Ehemann Manfred als Trainer erlernte und dann eine Rekordhöhe des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) von 1,73 m meisterte.
Nach seiner Promotion bei Prof. Dr. Günter Bernhard (1926-2014) an der Universität Graz mit einer Arbeit über „Schrittgestaltung im Sprint“ habilitierte er in Frankfurt und erhielt 1973 einen Ruf an die Uni Mainz. Das war zu einer Zeit, als sich die junge Sportwissenschaft an den Universitäten in ihre wichtigsten Teildisziplinen ausdifferenzieren konnte. Manfred Letzelter etablierte sich schnell als einer der national und international führenden Trainingswissenschaftler – erinnert sei an seinen Bestseller „Trainingsgrundlagen“ (Reinbek 1978), ein Taschenbuch, das sich inzwischen über 125.000 mal verkauft hat und Generationen von Sportstudierenden als gern gelesenes Lehrbuch im Gedächtnis geblieben ist. Rund ein Dutzend weitere Bücher und über 200 Aufsätze sollten im Laufe der Jahre hinzukommen; Letzelters Publikationen wurden in mehrere Sprachen übersetzt und in 30 Ländern vertrieben.

Parallel zu seinem Beruf als Sportwissenschaftler blieb Manfred Letzelter aber stets seiner Leichtathletik als Ausbilder und Trainer treu, bis hin zum Nachwuchstrainer beim DLV: Zu seinen prominentesten Athleten gehörte neben dem brasilianischen Dreispringer Joao Oliveira (geb. 1954), der 1975 mit 17,89 m einen Weltrekord aufstellte, sein Sohn Stefan (geb. 1971), im Jahre 1998 in Berlin Deutscher Meister über 400 m (46,49 Sek.) im Trikot des USC Mainz, später stellvertretender Vorsitzender im Beirat der Aktiven beim Deutschen Sportbund und Präsidiumsmitglied im Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland und heute selbst Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Trainingswissenschaft und Leichtathletik am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover.

Manfred Letzelter als prominenter Vertreter der Gründungs-Generation der modernen Sportwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland und langjähriges Mitglied der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) verfolgt manche Entwicklungen in seinem Fach heute durchaus kritisch und beobachtet eine Tendenz zu praxisfernen Forschungsansätzen. Damit gibt er auch zu erkennen, dass er den Sport und speziell „seine“ Leichtathletik weiterhin mit großem Interesse verfolgt: „Manfred Letzelter ist einer der herausragenden Athleten des USC Mainz, dem wohl bedeutsamsten Universitätssportclubs in Deutschland. Sein Leben war und ist dem Sport gewidmet. Es war geradezu naheliegend, dass auch sein beruflicher Werdegang auf das engste mit dem Sport verbunden blieb. Er gehört zu den Begründern der Trainingswissenschaft in Deutschland. Als Trainer hat er der deutschen Leichtathletik auf vielfältige Weise wichtige Impulse gegeben. Sein Name wird für immer mit dem DLV und der deutschen Leichtathletik verbunden sein“, gratuliert Prof. Dr. Helmut Digel, der Ehrenpräsident des DLV, der dem Jubilar auch als langjähriger Kollege aus der Sportwissenschaft persönlich eng verbunden ist.

Das ursprünglich geplante Festtags-Kolloquium mit Schülern und Kollegen aus der Trainingswissenschaft musste leider wegen der Corona-Epidemie frühzeitig abgesagt werden, dafür findet Manfred Letzelter aber erst recht jetzt Zeit für eine Runde Golf in freier Natur, sei es am Geburtstag selbst oder auch weiterhin regelmäßig mehrmals in der Woche mit 80 danach.

Quelle:
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann
DOSB-Presse, Nr. 25, 18.08.2020

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