"Sport für den Menschen" - sozial verantwortliche Interventionen im Raum

Jahrestagung der dvs-Kommission "Sport und Raum"
3.-4. Oktober 2018 in Wuppertal

Der Begriff der sozialen Verantwortung wird im Kontext von Sport und seiner räumlichen Inszenierung, wenn nicht explizit genannt, dann doch konzeptionell vermehrt mitgedacht. Großveranstaltungen, die im Generalverdacht stehen, nur wirtschaftlichen Interessen zu dienen, müssen nachweisen, dass sie – zumindest auch – im Sinne der Bürger handeln und sozusagen etwas Gutes im Schilde führen. Sportvereine platzieren sich als Unterstützerinnen von Geflüchteten, Städte und Kommunen fördern eine gesunde Stadt; in Brennpunktgebieten wird Sport als Mittel gepriesen, um Schlimmeres zu verhindern oder gar die soziale Wende einzuleiten. Soziale Verantwortung basiert auf Solidarität und damit auf der Bereitschaft, die eigenen Interessen zugunsten anderer oder der Gemeinschaft zurückzustellen (vgl. Tranow, 2012). Es entwickelt sich im einst bornierten Sport (vgl. Ehni, 1977) eine „Verantwortung für andere“ (Dallinger, 2009, S. 25) und damit ein neuer Impuls für die Auseinandersetzung mit Sport und Raum.

Die Tagung widmet sich vier Themenbereichen:

  • sozial- und sonderpädagogische Interventionen im Raum
  • Fitness und Gesundheit in der lebenswerten Stadt
  • Sportstättenbau im Interesse der Menschen
  • Sport im Do-it-yourself-Kontext

Auf unserer Tagung möchten wir das Thema Soziale Verantwortung im Kontext dieser Interessenschwerpunkte und auf wissenschaftlicher Basis diskutieren. Es geht um Fragen einer gerechten Angebotsstruktur im organisierten Sport und im städtischen Raum, um Überlegungen zur Rolle von Fitness- und Gesundheitssport im Lebensraum, um sozial verantwortlichen Sportstättenbau, um DIY-Kulturen und vieles mehr. Wir möchten dazu einladen, über politische, architektonisch-raumplanerische, sozial- und sonderpädagogische Interventionen ebenso zu sprechen, wie über kommerzielle Eingriffe in den Sportraum. Denkbar sind weitere Diskussionslinien, die im Zusammenhang mit sozialer Verantwortung diskutiert werden können.

Geplant ist eine zweitägige Veranstaltung. Hauptvorträge sollen zu folgenden Themenschwerpunkten gehalten werden: „Sportkulturen im öffentlichen Raum zwischen Selbstregie und Lenkung“, „Bewegungsräume im sportpädagogischen Fokus“ und „Stadt- und raumsoziologische Sichtweisen auf das Freizeiterleben“. Einer der Vorträge wird aus einer nicht genuin sportwissenschaftlichen Disziplin stammen. Der Diversität möglicher Themen soll zum Teil durch eine Organisation von zwei parallelen Panels entgegengekommen werden.

Wir rechnen mit einer Teilnehmerzahl von 60 Personen aus der Sportwissenschaft und verwandten Disziplinen und verfolgen das Konzept, ausreichend Diskussionszeit zur Verfügung zu stellen, um einen interdisziplinären Austausch zu gewährleisten.

Literatur
Dallinger, U. (2009). Die Solidarität der modernen Gesellschaft. Der Diskurs um rationale oder normative Ordnung in Sozialtheorie und Soziologie des Wohlfahrtstaats. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Ehni, H. (1977). Sport und Schulsport. Schorndorf: Hofmann.
Tranow, U. (2012). Das Konzept der Solidarität. Handlungstheoretische Fundierung eines soziologischen Schlüsselbegriffs. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Tagungsort:
Bergische Universität Wuppertal


Kontakt:

Prof. Dr. Tim Bindel
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Sportwissenschaft
Albert Schweitzer Straße 22
55099 Mainz
Tel.: (06131) 39-20783
E-Mail: tbindel@uni-mainz.de