Migration, Inklusion und Integration: Herausforderungen für den Sport

Jahrestagung der dvs-Sektion Sportsoziologie
20.-22. Juni 2013 in Paderborn

Zweifelsohne ist der Sport als einer der großen Gesellschaftsbereiche sowohl Gestalter als auch Betroffener gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen. Foglerichtig erzeugen gesellschaftlich relevante Probleme auch im Sport oftmals ein Echo. Damit stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage, wieweit der Sport auf die Bruchstellen und Probleme der Gesellschaft Antworten findet. Schließlich sieht sich der organisierte Sport selbst oft als Problemlöser - nicht zuletzt mit dem Ziel, seine gesellschaftliche Bedeutung zu steigern. Damit schürt er die Erwartungshaltung, auf gesellschaftspolitische Fragen Antworten liefern zu können.

Zu einer großen gesellschaftlichen Herausforderung scheint sich die unlängst von Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention zu entwickeln. Infolge der Ratifizierung wird unter dem Stichwort der Inklusion u. a. diskutiert, wie Menschen mit Behinderung ungehindert Zugang zu allen Facetten des Sports gewährt werden kann; bislang allerdings noch weitgehend ohne klare begriffliche Konturierung. Heraus resultiert ein mittlerweile nahezu inflationärer Gebrauch des Begriffs Inklusion, auch in anderen Kontexten. So ist dieser längst auch in die Diskussionen um Migration und Integration diffundiert, wenn in diesen ein ungehinderter Zugang "aller" zu allen Facetten gesellschaftlichen Lebens gefordert wird.

An diese Diskussion ist der Sport auf den ersten Blick unmittelbar anschlussfähig. Dies zeigt sich an der großen Bedeutung, die dem Sport im von der Bundesregierung verabschiedeten Aktionsplan "Sport für alle" bzw. im "Nationalen Aktionsplan Integration" zugesprochen wird. Demnach bietet der Sport beste Voraussetzungen, in jeder Hinsicht sozial-integrativ wirken zu können. Auf den zweiten Blick offenbaren sich aber Schwierigkeiten, die Beiträge des Sports zur Integration und zur Inklusion genauer zu bestimmen. Es ist daher zu fragen, inwieweit der Sport tatsächlich Lösungen beisteuert, und in welchem Maße er möglicherweise selbst Problemverursacher ist? Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn zum einen das Begriffswirrwarr um Migration, Inklusion und Integration sowie Zuwanderung, Parallelgesellschaft, Multikulturalität und Heterogenität entflochten wird. Zum anderen gilt zu klären, wo die Ursachen der Probleme liegen, welche Resonanz diese im Sport erzeugen und wie er diese, wenn überhaupt, bearbeiten kann.

Migration, Inklusion und Integration dienen der Tagung als Leitbegriffe. Ziel der Tagung ist es, einerseits fachspezifische Zugangsweisen zu den Problemfeldern aufzuzeigen, andererseits aus soziologischer Sicht die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Sports bei der Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme zu analysieren, um so tiefergehende Einsichten hinsichtlich der aus Migration, Inklusion und Integration erwachsenden Herausforderungen für den (organisierten) Sport und den Sportunterricht zu erlangen.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich drei zentrale Inhaltsbereiche, für die sich exemplarisch folgende Vortragsthemen anbieten:

  • Migration und Sport
    - Migranten und Migrantinnen im Breitensport
    - Biografische Aspekte von Spitzensportlern/innen mit Migrationshintergrund
    - Migrationsprozesse und Wartebewegungen im Spitzensport
    - ...
  • Inklusionspotenziale und Inklusionsprobleme im Sport
    - "Sport für alle" - Fiktion oder Realität?
    - Verschärfung oder Ende des Inklusionsdilemmas im Breitensport?
    - Exklusionsmechanismen in Sportvereinen, -verbänden und -arten
    - ....
  • Integration im und durch Sport
    - Integrationspotenziale des Sports
    - Sport und Segregation
    - Sport und Fremdheit
    -....

Als Beiträge können sowohl theoretisch-konzeptionelle als auch empirische Untersuchungen präsentiert werden. Die Themenschwerpunkte werden jeweils durch einen Hauptvortrag eingeleitet.

Für die vier thematischen Schwerpunkte der Tagung konnten folgende Hauptreferent(inn)en gewonnen werden:

  • Migration: Prof. Dr. DariuÅ¡ Zifunon (Alice Salomon Hochschule Berlin)
  • Inklusion aus pädagogischer Sicht: Prof. Dr. Simone Seitz (Universität Bremen)
  • Inklusion aus soziologischer Sicht: Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Universität Bonn)
  • Integration: Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka (Universität Bielefeld)

Tagungskonzepte und Hinweise für die Einreichung von abstracts
Die Tagung bietet Zeit für intensive Diskussionen. Arbeitskreise dauern i.d.R. 120 Minuten und umfassn je drei Beiträge (Vortrag ca. 20-25 Min., Diskussion ca. 15-20 Min.). Thematisch integriert ist ein "Fachtag Sport und Inklusion", der einen Praxisbezug sowohl zum Vereins- als auch zum Schulsport herstellen soll. Im Vorfeld der Tagung ist ein Nachwuchsworkshop geplant. Unabhängig davon sind Beiträge von Qualifikanten/innen ausdrücklich erwünscht.

Abstract: max. 1 DIN A 4-Seite (Times New Roman, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5, max. 1800 Zeichen). Call for Papers (PDF)
Abstracteinreichung bis zum 18.02.2013 an Lars.Riedl@uni-paderborn.de
Rückmeldungen erfolgen bis zum 08.03.2013.

Weitere Informationen finden Sie auf der Tagungswebsite.

Kontakt
Prof. Dr. Heiko Meier & Dr. Lars Riedl
Universität Paderborn
Department Sport & Gesundheit
Warburger Straße 100
33098 Paderborn
Tel.: (05251) 60-3136 oder -3137
E-Mail: Heiko.Meier@uni-paderborn.de
E-Mail: Lars.Riedl@uni-paderborn.de

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