Droht immer mehr öffentlichen Freibädern das Aus?
Was sagt die Wissenschaft? Was sagt die Praxis? Was sagen die Kommunen?

1. Interdisziplinärer dvs-Expertenworkshop
6. März 2014 in Wiesbaden

Das Präsidium der dvs plant in regelmäßigen Abständen interdisziplinäre Expertenworkshops im Kontext aktueller sport- und gesellschaftspolitischer Fragen zu veranstalten. Am 6. März 2014 ist der erste Expertenworkshop zur Frage „Droht immer mehr öffentlichen Freibädern das Aus?“ geplant.

Hintergrund

Aufgabe von Stadt bzw. Kommune ist es, sich sport- und gesundheitspolitisch zu engagieren, d. h. verhältnis- und verhaltenspräventive Maßnahmen zu initiieren und zu fördern, m.a.W. sich für gesundheitsfördernde Lebenswelten und Angebote in den einzelnen Stadtteilen zu engagieren. Leere Haushaltskassen und Überschuldung zwingen Kommunen zur Sparsamkeit. Im Visier von Kürzungen und Einsparungen sind immer vor allem die öffentlichen Freibäder, aber auch Hallenbäder einschließlich der Lehrschwimmbecken in Schulen. Gelder für Sanierungskosten sowie die laufenden jährlichen Betriebskosten werden gekürzt oder gar gestrichen. In immer mehr Städten und Gemeinden kämpfen Bürgerinitiativen und Fördervereine für die Erhaltung von Schwimmbädern.
Die Tragweite von Bäderschließungen ist derzeit nur partiell abzuschätzen. Aspekte, wie der Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit und Fitness von Kinder und Jugendlichen, die steigende Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland und die Anzahl der tödlichen Schwimmunfälle werden öffentlich und in der Wissenschaft diskutiert. Andererseits sind Funktionen wie die generationenübergreifende Aufenthalts- und Kommunikationsfunktion, aber auch die Wirkung lokaler Bäderplanungen, kommunalpolitische Entscheidungsmechanismen oder Restriktionen kommunaler Haushalte bislang nahezu unbeachtet.
Die vielfältigen Aufgaben und Funktionen, die Bäder in der Gesellschaft erfüllen, werden kaum interdisziplinär dargestellt und auch nicht umfassend diskutiert. Jeder Akteur konzentriert sich primär auf sein Handlungsfeld: die DLRG hebt den Anstieg der Nichtschwimmer und die Schwimmunfälle hervor, der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) konzentriert sich auf die sportliche Dimension des Schwimmens, der DOSB auf die Bedeutung für den Breitensports, Fachverwaltungen in den Kommunen entweder auf die finanziellen Belastungen, auf Funktionen im Zusammenhang mit Jugendhilfeplänen oder auf breiten- bzw. leistungssportliche Belange. Pädagogische, soziale, ökonomische, gesundheitspolitische, gesamtgesellschaftliche Dimensionen in der Bäderfrage werden dabei nur ansatzweise miteinander verbunden. Darüber hinaus fehlt es den Kommunen vielfach an kreativen Lösungen, an neuen Perspektiven und Ansätzen sowie tragbaren Nutzungs- und Finanzierungskonzepten.

Ziele

Ziel des Workshops ist es, Experten und Akteure auf den unterschiedlichen Gebieten zusammenzuführen und einen interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs zu ermöglichen, der die Netzwerkbildung über die Dauer der Veranstaltung hinaus befördert. Dabei sollen unter Einbezug von Best-Practice Beispielen, den veränderten Rahmenbedingungen, dem demografischen Wandel in unserer Gesellschaft Möglichkeiten erarbeitet werden, wie kommunale Bäderlandschaften langfristig entwickelt und gesichert werden können. Dazu werden einerseits Experten aus den Sektionen und Kommissionen der dvs und andererseits Experten und Akteure aus den Verbänden, den Kommunen, den Fördervereinen und aus dem Bäderbereich eingeladen.

Schwerpunktfragen

  • Welche kultur-historische Bedeutung haben öffentliche Freibäder?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Nichtschwimmer in Deutschland und der Zahl der Bäderschließungen?
  • Welchen Entwicklungstendenzen lassen sich bei den kommunalen Freibädern in den letzten 30 Jahren aufzeigen?
  • Welche Relevanz haben Freibäder aus soziologischer, pädagogischer, gesundheits-politischer und ökonomischer Perspektive?
  • Welche attraktiven Nutzungskonzepte lassen sich für Schwimmbäder aufzeigen (Best Practice)?
  • Welche Modelle der optimierten Ausbelastung bestehen bzw. wie lassen sich die Besucherzahlen erhöhen?
  • Welche Art des Schwimmbads (Erlebnisbad, Naturbad, Freibad, Hallenbad, Kombibad) und welche zusätzlichen Module sind zukunftsfähig?
  • Welche alternativen Trägerschaften zu den kommunalen Trägern gibt es und wie erfolgreich sind diese?

Tagungsort
Drei-Lilien Saal (im Opelbad), Auf dem Neroberg 2, 65193 Wiesbaden.

Anmeldung
Die Teilnahmegebühr für den Expertenworkshop beträgt pro Teilnehmer 70,- EUR.
Ihre Anmeldung richten Sie bitte per E-Mail an: expertenworkshop@sportwissenschaft.de.
Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Anmeldeschluss ist der 28.02.2014.

Kontakt
Prof. Dr. Kuno Hottenrott
Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)
E-Mail: expertenworkshop@sportwissenschaft.de
Tel.: (0345) 5524421 (Sekretariat)

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem DOSB und dem BISp.