Neuerscheinungen 23 (19.12.2007)

Marion Blank: Dimensionen und Determinanten der Trainierbarkeit konditioneller Fähigkeiten. Eine theoretisch-methodische Konzeptualisierung am Beispiel der maximalen Sauerstoffaufnahme. (Forum Sportwissenschaft, 14; Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 167). Hamburg: Czwalina 2007, 192 S., ISBN 978-3-88020-487-4, 20,00 EUR

Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, den Gegenstand Trainierbarkeit theoretisch-methodisch zu konzeptualisieren. Es wird ein dreidimensionales Trainierbarkeitsmodell vorgestellt, welches zusammen mit den Determinanten Geschlecht, Alter und sportliche Vorgeschichte sowie einigen methodischen Kriterien in einer Befundintegration zur Trainierbarkeit der maximalen Sauerstoffaufnahme geprüft wird. Dabei kommen quantitative und qualitativ orientierte Analysemethoden zum Einsatz. Die zentralen Ergebnisse lauten: Es kann angenommen werden, dass es sich bei der Trainierbarkeit der maximalen Sauerstoffaufnahme um ein mehrdimensionales Konstrukt handelt, wobei insbesondere die Dimensionen Anpassungsgeschwindigkeit und Reservekapazität unterschieden werden müssen. Geschlecht und Alter stellen wichtige Determinanten der Trainierbarkeit dar; sie beeinflussen in erster Linie die Anpassungsgeschwindigkeit. Für die Reservekapazität scheinen weder Geschlecht oder Alter noch die sportliche Vorgeschichte eine bedeutsame Rolle zu spielen.

Reinhard Fuchs, Wiebke Göhner, Harald Seelig (Hrsg.): Aufbau eines körperlich-aktiven Lebensstils. Theorie, Empirie und Praxis. (Reihe: Sportpsychologie, 4). Göttingen: Hogrefe 2007, 368 S., ISBN 978-3-8017-2108-4, 34,95 EUR

Den Aufbau eines körperlich-aktiven Lebensstils zu fördern gilt heute als eine der zentralen gesundheitspräventiven Strategien. Im vorliegenden Buch wird diese Strategie von verschiedenen Autorinnen und Autoren genauer beleuchtet. Im Abschnitt I geht es zunächst allgemein um körperliche Aktivität als alltägliche "Gewohnheit" und "Lebensstil" (Reinhard Fuchs). Was weiß man über den Zusammenhang zwischen körperlich-aktivem Lebensstil und Gesundheit (Frank Hänsel)? Und wie wirksam sind die Interventionen, mit denen man bislang versucht hat, den Aufbau eines körperlich-aktiven Lebensstils zu fördern (Oliver Höner)? Der Abschnitt II ist ganz der Beschreibung dieses Lebensstils gewidmet: Wie sieht das "Beginnen, Dabeibleiben und Aufhören" genau aus (Petra Wagner)? Was lässt sich über das Zusammenspiel der körperlichen Aktivität mit den anderen Gesundheitsverhaltensweisen (Ernährungsweise, Rauchen, Alkohol) sagen (Harald Seelig)? Gibt es Verhaltensmuster, die man kennen muss, um später solche Muster erfolgreich verändern zu können? Und welche Entwicklung nimmt die körperliche Aktivität über die gesamte Lebensspanne hinweg betrachtet (Christoph Breuer & Pamela Wicker)? Lassen sich kritische Phasen identifizieren, in denen man eine besonders hohe Bereitschaft zur Lebensstiländerung zeigt? Im Abschnitt III wird den psychologischen Faktoren und Mechanismen nachgespürt, die für die Genese eines dauerhaften Aktivseins von Bedeutung sind. Neben den einschlägigen Motivationstheorien (Urte Scholz, Benjamin Schüz und Jochen Ziegelmann) werden hier auch die aktuellen Ansätze der Volitionstheorien (Falko Sniehotta u.a.) und Stadienmodelle (Sonia Lippke & Axinja Kalusche) diskutiert. Im Abschnitt IV werden die praktischen Programme näher beleuchtet, mit denen der Versuch unternommen wird, einen körperlich-aktiven Lebensstil zu vermitteln (u.a. von Ralf Brand, Alexander Woll, Wiebke Göhner, Gorden Sudeck u.a.). Den Abschluss des Buchs bildet in Abschnitt V die Vorstellung eines ganz spezifischen Interventionsansatzes zum Aufbau eines körperlich-aktiven Lebensstils: Es handelt sich um die in Freiburg entwickelte MoVo-Konzeption, die gegenwärtig in verschiedenen Forschungs- und Praxis-Projekten didaktisch weiter ausgearbeitet und hinsichtlich ihrer Effektivität überprüft wird.

Martin Lames, Claudia Augste, Maren Schimanski & Florian Walter (Hrsg.): Wissenstransfer im deutschen Spitzensport. (Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007-07). Köln: Sportverlag Strauß 2007, 124 S., ISBN 978-3-939390-98-5, 20,00 EUR

In diesem Berichtsband erscheinen die folgende Beiträge von der Tagung der dvs-Sektion Trainingswissenschaft in Augsburg (29.-30.09.2004): "Sport - Wissenschaft - Transfer" (Alfred Rütten); "Praxisberatung in der Trainingswissenschaft" (Andreas Hohmann & Martin Lames); "Aufgaben und Möglichkeiten prozessbegleitender Trainings- und Wettkampfforschung im Spitzensport" (Karin Knoll); "Trainingswissenschaft und Trainingspraxis" (Podiumsdiskussion I); "Best Practice im Kanuslalom - Trainingswissenschaftliche Betreuung im Kanuslalom" (Michael Klein); "Best Practice Rennrudern" (Klaus Mattes); "Das Wissenschaftliche Verbundsystem im Spitzensport" (Friedrich Krüger); "Forschungsförderungssystem im deutschen Leistungssport" (Martin-Peter Büch); "Sportpolitische Kosequenzen" (Podiumsdiskussion II); "Augsburger Thesen zur wissenschaftlichen Unterstützung des Spitzensports" (Sprecherrat der dvs-Sektion Trainingswissenschaft).

Ommo Grupe & Michael Krüger: Einführung in die Sportpädagogik. (Sport und Sportwissenschaft, 6). 3., neu bearbeitete Auflage Schorndorf: Hofmann 2007, 392 S., ISBN 978-3-7780-7763-4,
34,90 EUR

Mit Sportpädagogik wird sowohl Praxis als auch Theorie der Bildung und Erziehung im und durch Sport bezeichnet. Der Name Sportpädagogik löste seit den 1970er Jahren den Begriff "Leibeserziehung" ab. Seitdem haben sich Inhalt und Verständnis des Sports ebenso geändert wie die Bedingungen pädagogischen Handelns in Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport. Sport und Sporterziehung findet nicht mehr nur in der Schule und im Verein statt, sondern auch in anderen Organisationen und Institutionen sowie in Form von Ratgebern, Anleitungen, Tipps und Empfehlungen zum Sporttreiben. Sportpädagogisches Wissen und Können ist heute auf vielen unterschiedlichen Gebieten gefragt, in und außerhalb der Schule, in Vereinen und Verbänden und bei neuen Sportanbietern. Deshalb ist es wichtig, über die Vielfalt des Sports Bescheid zu wissen und Einsichten in seine pädagogischen Möglichkeiten und Grenzen zu gewinnen. Dies leistet die "Einführung in die Sportpädagogik", die bereits in der dritten, neu bearbeiteten und aktualisierten Auflage erscheint. Das Buch ist für Sportstudierende, Trainerinnen und Trainer, Übungsleiterinnen und Übungsleiter geschrieben, die Sport unterrichten und vermitteln und allgemein für die, die haupt- und ehrenamtlich im Sport pädagogisch tätig sind. An praxisnahen Beispielen werden grundlegende Probleme im Sport erörtert, und es wird anhand zentraler Begriffe und Themen in das wissenschaftliche Fachgebiet der Sportpädagogik eingeführt: angefangen von der Frage des "Gegenstandsbereichs" über institutionelle Rahmenbedingungen und die historische Entwicklung von Bildung und Erziehung im Sport bis zu anthropologischen Grundthemen.

Josef Tomasits & Paul Haber: Leistungsphysiologie. Grundlagen für Trainer, Physiotherapeuten und Masseure. 3., neu bearb. Aufl. Wien, New York: Springer 2008, 302 S., ISBN 978-3-211-72018-9, 34,95 EUR

Konkurrenzlos, leicht verständlich, in neuem Layout mit zahlreichen anschaulichen Abbildungen: Die allgemein geltenden Grundlagen der Leistungsphysiologie, wie z.B. Leistungsfähigkeit, bilden den Schwerpunkt des Buches. Umfassend behandeln die Autoren Themen wie Energiestoffwechsel, Kreislauf und Atmung während einer Belastung und unter Berücksichtigung der Prinzipien der medizinischen Trainingslehre. Sie ergänzten die 3. Auflage um die neuesten Ergebnisse aus der sportmedizinischen Forschung. Zudem berücksichtigen sie ausführlich den Gender-Aspekt. Leicht verständlich erläutern sie die Grundregeln der Planung und Gestaltung systematischer Ausdauer- und Krafttrainings sowie die dazugehörige Ernährungsphysiologie. Zielgruppe sind Trainer, Physiotherapeuten und Masseure, aber auch interessierte Laien. Immer mehr Physiotherapeuten arbeiten als Übungsleiter für therapeutisches Training in der Rehabilitation. Dieses Buch bietet ihnen die solide Basis für die hochwertige Beratung und qualifizierte Anwendung.

Walter Brehm, Anke Janke, Wolf-H. von Aufseß & Hans-Jürgen Zeißler: DiaTrain: Gesundheitssportprogramm und medizinisch-therapeutische Begleitung für Patienten mit Metabolischem Syndrom. Abschlussbericht. (Bayreuther Beiträge zur Sportwissenschaft, 10). Bayreuth: Universität Bayreuth 2007, 86 S., 6,00 EUR (Bezug: andrea.loch@uni-bayreuth.de, Tel.: 0921-553471)

Heft 10 der Reihe "Bayreuther Beiträge zur Sportwissenschaft" beschreibt die Evaluation des Gesundheitssportkonzeptes DiaTrain. Das in Zusammenarbeit mit zwischen Diabetologen, Physiotherapeuthen und dem Lehrstuhl Sportwissenschaft II der Universität Bayreuth (Prof. Walter Brehm) entwickelte Konzept baut auf der engen Kooperation von Diabetologen (Schwerpunktpraxen) und Physiotherapeuten auf, um Patienten mit Diabetes und Metabolischem Syndrom zu aktivieren und dauerhaft an Bewegung zu binden. Eine Evaluation wurde als Längsschnittstudie durchgeführt und vergleicht eine Interventionsgruppe, die ein Jahr lang das DiaTrain-Programm durchlaufen hat, mit einer Vergleichsgruppe ohne Intervention bezüglich medizinischer, sportmotorischer und psychosozialer Aspekte. Die Ergebnisse fielen zum Teil anders aus als erwartet, liefern jedoch wertvolle Hinweise für die weitergehende Forschung in diesem Bereich.

Markus Raab, Hilke Zastrow & Christian Lempertz: Wege zur Spielintelligenz. (Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007-10). Köln: Sportverlag Strauß 2007, 117 S., ISBN 978-3-939390-67-1, 21,80 EUR

Es gehört mittlerweile zu den unumstößlichen Weisheiten des Sports, dass neben den konditionellen Fähigkeiten und technischen Fertigkeiten auch kognitive Kompetenzen maßgeblich den Ausgang eines Wettkampfes bestimmen. In der Trainersprache wird dann oft von Spielintelligenz gesprochen, wenn der Spieler "den richtigen Riecher" oder "das Auge" hat bzw. "aus dem Bauch entscheidet". Mit dem vorliegenden Bericht soll ein Entwurf zur Erfassung und Entwicklung der kognitiven Mechanismen, die dem Konzept der Spielintelligenz zugrunde liegen, realisiert werden. Es wird die Entwicklung der Spielintelligenz von 12- bis 18-jährigen jugendlichen Handballspielern in einer dreijährigen Längsschnittuntersuchung nachgezeichnet und mit den Leistungen des höheren Leistungsniveaus u.a. einer der besten deutschen Handball-Bundesliga Mannschaften verglichen. Die Spielintelligenz umfasst dabei zentrale kognitive Aspekte der Suche nach Informationen (Blickbewegungen), dem Stopp der Informationssuche (Optionsgenerierung) und der Handlungs- bzw. Optionsauswahl (Entscheidungswahl und Entscheidungsgeschwindigkeit). Besonderes Interesse gilt dabei der Frage, in wieweit sich aufgrund der von den Sportlern angewendeten Suchstrategien (als Ergebnis des Blickverhaltens) die nachfolgende Deliberation vorhersagen lässt. Dazu wurde ein bereichsspezifisches Verfahren eingesetzt, dass sich auf die Arbeitsweise der oben genannten Komponenten innerhalb von komplexen Denkprozessen konzentriert. Für den Transfer zur Praxis erscheint aus der Vielzahl von Daten besonders die schnelle Leistungsentwicklung der jungen Spieler hervorzustechen. Die möglichen Konsequenzen, beispielsweise der alters- und geschlechtsspezifischen Veränderungen des Rahmentrainingsplans, liegen in der Entscheidung des Spitzenverbandes. Die praktischen Konsequenzen auf der Ebene von Übungen sind im vorliegenden Bericht nur exemplarisch wiedergegeben und erfordern in einem anderen Format für Trainer angemessene Ausführungen.

Walter Brehm, Klaus Bös, Wolfgang Neß & Susanne Tittlbach: "Deutschland bewegt sich!" Evaluationen zum Einsatz des Test- und Beratungskonzepts im Rahmen der Städtetour 2006, auf Messen und Events sowie in DTB-Vereinen. (Bayreuther Beiträge zur Sportwissenschaft, 11). Bayreuth: Universität 2007, 236 S., 10,00 EUR (Bezug: andrea.loch@uni-bayreuth.de, Tel.: 0921-553471)

Heft 11 der Reihe "Bayreuther Beiträge zur Sportwissenschaft" beinhaltet eine Evaluation der Public-Health Kampagne "Deutschland bewegt sich! Städtetour". Die Kampagne wird seit 2005 von der BARMER, dem Deutschen Turner Bund, ZDF und Bild am Sonntag durchgeführt. Wissenschaftlich begleitet wurde die Kampagne 2005 und 2006 von den Instituten für Sportwissenschaft der Universitäten Bayreuth und Karlsruhe. Ziel der Public-Health Kampagne ist es, möglichst viele bislang körperlich Inaktive zu regelmäßiger und gesunder körperlicher Aktivität zu "bewegen" und bei den bereits Aktiven verstärkende Wirkungen zu erzielen. Hierzu wird u.a. eine Städtetour durch Deutschland durchgeführt, bei der zu einem speziellen Termin in jeweils einer Stadt im Rahmen einer Gesundheitsmesse der BARMER kostenlos an einer sportmotorischen Testbatterie teilgenommen werden kann. Daran schließt sich eine Beratung zu passender körperlich-sportlicher Aktivität an. Für bereits Aktive finden zusätzliche Testaktionen in den Vereinsangeboten des DTB statt. Gegenstand des Berichts ist einmal die Evaluation der Städtetour 2006 sowie des Einsatzes der Tests auf Messen, Events und in Turnvereinen 2005 und 2006. Hier wird auch der Frage nachgegangen, ob und wie weit eine Massenkampagne eine Verhaltensänderung der Bevölkerung hin zu mehr körperlich-sportlicher Aktivität bewirken kann. Darüber hinaus werden die verwendeten Tests hinsichtlich ihrer Validität und Passung für die Zielgruppe analysiert.

John Edgette & Tim Rowan: Mental gewinnen. Hypnose im Sport. Heidelberg: Carl Auer 2007, 167 S., ISBN 978-3-89670-607-2,
24,95 EUR

Der erste Lauf nach dem Bänderriss, ein 8:19-Rückstand im Endspiel, Kilometer 35 beim Marathon - Amateur- wie Leistungssportler kennen solche Situationen, die mehr verlangen als körperliche Fitness. Hier kann Hypnose helfen, typische Begleiterscheinungen wie Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen zu überwinden, die Trainingsdisziplin zu verbessern oder das Zusammenspiel in einer Mannschaft zu optimieren. Die Autoren stellen das gesamte Spektrum hypnotischer Interventionen und therapeutischer Techniken für die sportpsychologische Betreuung vor. Sie vermitteln die Besonderheiten der hypnotischen Arbeit sowohl mit Einzelsportlern als auch mit Mannschaften. Fallstudien und Transkripte erfolgreich verlaufener Interventionen machen die Methoden anschaulich und gut nachvollziehbar. Dieses Buch ist eine ergiebige Ressource für alle, die auf den unterschiedlichsten Ebenen und in beliebigen Disziplinen mit Sportlern arbeiten. Es eignet sich auch für all jene, die in der therapeutischen Praxis bereits Hypnosetechniken anwenden und ihre Tätigkeit auf das Feld der Sportpsychologie ausdehnen wollen.

Bernhard Bruggmann (Red.): 1020 Spiel- und Übungs-
formen im Kinderfußball. 5., überarb. Auflage Schorndorf:
Hofmann 2007, 304 S., ISBN 978-3-7780-2205-4, 21,90 EUR

Modernes, kindgerechtes Training mit Kindern und Jugendlichen ist nach der GAG-Methode aufgebaut: Umrahmt von Einstimmen und Ausklingen besteht eine Trainingslektion aus Spielen (G wie ganzheitlich; Teil 1), üben (A wie analytisch; Teil 2) und wieder Spielen (G wie ganzheitlich; Teil 3). Mit spielerischem, gezieltem üben stellen sich schnell Fortschritte ein. Eine wahre Fundgrube für Unterrichtende im Kinder und Jugendfußball.

Tina Nobis & Jürgen Baur (Hrsg.): Soziale Integration vereinsorganisierter Jugendlicher. (Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007-09). Köln: Sportverlag Strauß 2007, 352 S., ISBN 978-3-939390-66-4, 38,60 EUR

"Integration durch Sport" heißt die neue Leitformel, die zumindest in der sportinteressierten Öffentlichkeit Verbreitung gefunden hat. Verlautbarungen der Sportorganisationen künden gar davon, Sport sei "gelebte Integration". Die Frage bleibt gleichwohl, ob der organisierte Sport durch eine derartige PR-Arbeit Profil gewinnen kann und will: Fairness im Sport gegen eine sich ausbreitende Gewaltbereitschaft, soziales und politisches Engagement im Sport gegen eine um sich greifende Politikverdrossenheit, soziale Integration in die Vereine gegen Ausländerfeindlichkeit, die Vereinsgemeinschaft gegen die drohende Vereinzelung in einer individualisierten Gesellschaft. Solche Heilsformen mögen zwar bei der Werbung um staatliche Förderung von Nutzen sein. Zugleich produzieren sie aber jene hochgeschraubten Erwartungen an den organisierten Sport, die, weil prinzipiell nicht einlösbar, notwendigerweise zu Enttäuschungen führen müssen. Damit verbindet sich die andere Frage, ob es nicht vernünftiger wäre, die Ansprüche des organisierten Sports an seine eigene Leistungsfähigkeit auf ein realistisches Maß zu reduzieren. Realistische Leistungsansprüche ließen sich dann wohl besser begründet, nachdrücklicher und politisch hartnäckiger in der Sport-, Sozial- und Gesellschaftspolitik vertreten. Die Analysen und Berichte zu dem Forschungsprojekt "Soziale Integration von Sportvereinsjugendlichen" wurden als Einzelbeiträge verfasst, in denen jeweils bestimmte Detailfragen gesondert behandelt werden. Thematisch ähnlich gelagerte Beiträge wurden wiederum in einer "Abteilung" zusammengenommen, die sich in der Gliederung des hier vorgelegten Berichtsbandes wieder findet: Nach "Theoretischen und methodischen Vorbemerkungen", geht es um "Soziale Integration in Peer-Netzwerke", um "Freiwilliges Engagement von Jugendlichen", um "Politische Sozialisation in Freiwilligenvereinigungen" und um die "Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund".

Heinz Lang: Staffelspiele und Gruppenwettbewerbe. Anregungen für Grundschulen, weiterführende Schulen und Vereine. Schorndorf: Hofmann 2007, 124 S., ISBN 978-3-7780-6150-3, 14,90 EUR

Staffelspiele sind bei Lehrern und Schülern beliebt, aber sie haben auch ihre Tücken. Im ersten Teil des Buchs werden ausührliche "Tipps und Tricks" angeboten, um bereits im Vorfeld Pannen möglichst zu vermeiden und einen für Lehrer und Schüler zufrieden stellenden, anregenden und spannenden Spielverlauf sicherzustellen. Der umfangreiche zweite Teil beinhaltet zahlreiche attraktive, aber einfach und schnell zu organisierende Staffelspiele. Dabei werden aus den Bereichen Wende-, Reihen-, Pendel-, Begegnungs-, Einbahnstaffeln, Kreis-Lauf-Staffeln sowohl klassische Beispiele als auch "Neuentdeckungen" aufgezeigt. Einige bewegungsreiche Gruppenwettbewerbe, bei denen die ganze Gruppe gefordert ist, schließen den vorliegenden Band ab.

Martin Giese: Erfahrung als Bildungskategorie. Eine sportsemiotische Untersuchung in unterrichtspraktischer Absicht. (Sportforum, 17). Aachen: Meyer & Meyer 2008, 284 S., ISBN 978-3-89899-347-0, 24,95 EUR

Der vorliegende Band, der 2007 mit dem Ommo-Grupe-Preis der dvs-Sektion Sportpädagogik ausgezeichnet wurde, verfolgt die Frage, wie Strukturmerkmale eines erfahrungsorientierten Sportunterrichts besser als bisher aus einer einheitlichen, theoretisch elaborierten und vor allem anthropologisch fundierten Theorie der Erfahrung gewonnen werden können. Dabei finden sportsemiotische bzw. symbolphilosophische Bezugstheorien Anwendung, die aufgrund ihres integrativen Potentials besonders geeignet sind, um bestehende theoretische Unvereinbarkeit produktiv aufeinander zu beziehen. Erfahrung wird dabei letzten Endes als eine symbolische Struktur im Sinne Cassirers bzw. Schwemmers modelliert. Auf dieser Basis wird dargelegt, wie ein solchermaßen konstituierter Erfahrungsbegriff sinnvolle Beiträge zu einer nachhaltigen Bildung des Individuums im Sportunterricht leisten kann. Um die gewonnenen Erkenntnisse auch für den konkreten Sportunterricht fruchtbar zu machen, mündet die Arbeit schlussendlich in einer unterrichtspraktischen Illustration.

Jens Flatau: Die Entwicklung der Leichtathletikvereine. Eine kritische empirische Analyse zur "Krise der Leichtathletik". (Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007-11). Köln: Sportverlag Strauß 2007, 192 S., ISBN 978-3-939390-68-8, 31,00 EUR

Die vorliegende Untersuchung wurde mit dem Ziel der Prüfung einiger gängiger Beobachtungsannahmen, die die organisierte deutsche Leichtathletik betreffen, durchgeführt. Es handelt sich hierbei um seit etwa den 1980er Jahren in Sportwissenschaft und in der Praxis kommunizierte Annahmen, die in ihrem Tenor eine krisenhafte Entwicklung in der Leichtathletik diagnostizieren bzw. prognostizieren, ohne dass die tatsächliche Existenz der angenommenen negativen Veränderungen mit streng wissenschaftlichen Methoden bislang nachgewiesen wurde. Dieses Defizit soll mit dieser empirischen Längsschnittstudie spezifische für einen zentralen Bereich - die Entwicklung "Leichtathletik anbietender Organisationen (LaO)" - beseitigt werden. Zu diesem Zweck wurden zu den Erhebungszeitpunkten 1996 und 2002 LaO mithilfe einer schriftlichen standardisierten Befragung interviewt. Die in Bezug auf den Proporz der Landesverbände im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) repräsentative und zufällig gezogene Stichprobe umfasst 335 Organisationen. Gegenstand des eingesetzten Fragebogens sind Organisations-, Mitglieder-, Mitarbeiter- und Angebotsstruktur, wettkampf- bzw. breitensportliche Ausrichtung, Mitgliederbindungs- und Gewinnungsaktivitäten, Umfeld und Außenkontakte, Einstellung zum Landesverband und zum DLV sowie die Beurteilung und der Umgang mit den Anforderungen bzw. Herausforderungen der Zukunft der LaO. In einem zweiten Schritt wurden 21 qualitative Leitfadeninteviews mit Funktionären und Trainern aus Leichtathletikverbänden und LaO, Landessportbundreferenten, Schullehrern, nicht vereinsorganisierten "Freizeitläufern" sowie Eltern von Nachwuchsleichtathleten zu Aspekten der organisierten Leichtathletik durchgeführt und ausgewertet. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, das die Krise LaO sich als Fiktion bzw. als falsche Prophezeihung erweist.

Sabine Kubesch: Körperliche Aktivität und exekutive Funktionen. (Junge Sportwissenschaft, 11). 2. Auflage Schorndorf: Hofmann 2008, 120 S., ISBN 978-3-7780-7214-1, 14,90 EUR

Exekutive Funktionen werden den höheren geistigen Leistungen zugeordnet und gelten als eine wichtige kognitive Komponente der allgemeinen Intelligenz. Die untersuchten exekutiven Funktionen, die durch körperliche Aktivität, und dabei vor allem durch Kraft-Ausdauerbelastungen, beeinflusst werden, beziehen sich auf das Arbeitsgedächtnis zur aktiven Aufrechterhaltung aufgabenrelevanter Informationen und auf die Inhibition automatisierter Antworten. In dieser Arbeit wird gezeigt, dass exekutive Funktionen vor allem dann durch körperliche Aktivität gefördert werden, wenn sie aufgrund des Alters oder einer Depression nicht optimal funktionieren. Die Erkenntnisse befinden sich an der Schnittstelle von Sport- und Neurowissenschaft und sind für weitere Fachbereiche wie Sportmedizin, Neurologie, Geriatrie, Psychosomatik und Psychiatrie von wissenschaftlicher und therapeutischer Bedeutung.

Andreas Wollin: Doping - der Drang zum Betrug. Marburg: Tectum 2007, 248 S., ISBN 978-3-8288-9434-1, 24,90 EUR

Diego Maradonna, Dieter Baumann, Johann Möhlegg, Justin Gatlin, Jan Ullrich: Die Liste der (vermeintlichen) Dopingsünder im Spitzensport reißt nicht ab. Der "Sieg" im Wettkampf ist im kommerzialisierten Wettkampf-Zirkus wichtiger als "Fairness". Die Schuld an der Doping-Misere liegt aber nicht allein bei den Athleten stellt der Autor in diesem Buch fest. Das System des Sports ist eng vernetzt mit Sponsoren, Medien und staatlicher Förderung. Komplexe Abhängigkeiten sind die Folge. Selbst das scheinbar unbeteiligte Publikum heizt mit seiner schier endlosen Gier nach immer mehr Wettbewerben und neuen Rekorden die Doping-Versuchung der Sportler an. Neben einem medizinischen Überblick, liefert der Autor systemtheoretische Überlegungen zum Thema Doping und präsentiert die Ergebnisse seiner Studie: Rund 1000 Studenten aus sechs verschiedenen Fachrichtungen wurden dabei befragt. Das Ziel war, herauszufinden, ob die Einstellung von Studenten der Naturwissenschaften eine grundsätzlich andere ist wie die der Geisteswissenschaftler. U.a. wurde nach der Bereitschaft gefragt, selbst Dopingmittel zu nehmen oder ob in bestimmten Sportarten Dopingvergehen von vorneherein vermutet werden. Außerdem wurde nach der Schuld bei Dopingskandalen und nach Unterschieden bei der Behandlung bzw. Bestrafung von Dopingsündern gefragt.

Jürgen Freiwald, Thomas Jöllenbeck & Norbert Olivier (Hrsg.): Prävention und Rehabilitation. Symposiumsbericht Bad Sassendorf 2006. (Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007-12). Köln: Sportverlag Strauß 2007, 429 S., ISBN 978-3-939390-69-5, 46,00 EUR

Der Band enthält die Schriftfassungen der drei Haupt- und insgesamt 44 Kurzvorträge des 7. gemeinsamen Symposiums der dvs-Sektionen Biomechanik, Sportmotorik und Trainingswissenschaft, das zum Thema "Prävention und Rehabilitation" im Februar 2006 in Bad Sassendorf stattfand. Auch die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema "Gegenstandsbereiche der Sektionen: Was eint uns, was trennt uns?", bei der unter der Leitung von Klaus Willimczik Vertreter der drei Sektionen diskutierten, ist in dem umfangreichen Band dokumentiert.

Susanne Pape-Kramer & Ulrike Köhle: Doppelstunde Bewegungsgestaltungen. Unterrichtseinheiten und Stundenbeispiele für Schule und Verein. Schorndorf: Hofmann 2007, 144 S. + CD-ROM, ISBN 978-3-7780-0541-5, 19,90 EUR

Im vorliegenden Buch wird ein Vermittlungsweg aufgezeigt, der allen Sportlehrkräften die Möglichkeit bieten soll, Schüler in diesem Bereich ohne großen Aufwand anzuleiten. Während in der Unterstufe die spielerische Vermittlung von Fortbewegungsgrundformen im Vordergrund steht, werden in der Mittel- und Oberstufe konkrete sportartspezifische Elemente erlernt. Die Übungseinheiten sind jeweils auf einen Zeitraum von ca. 80 Minuten zugeschnitten. Das Buch ist für alle Personen interessant, die 10- bis 19-Jährige unterrichten. Dem Buch liegt eine CD-ROM bei, auf der Techniken und Übungen in Videoclips dargestellt werden.