dvs-Sektion Sportinformatik

Geschichte - Überblick, Stationen und Meilensteine

Geschichte - im Überblick

seit 1989
Regelmäßige Workshops "Sport & Informatik"

1995
Gründung der dvs-Sektion Sportinformatik
1. Sektionssprecher: Prof. Dr. Jürgen Perl

seit 1997
Regelmäßiger Wechsel von nationalen und internationalen Tagungen

2002
Gründung des e-Journals "International Journal of Computer Science in Sport"

2003
Gründung der "International Association of Computer Science in Sport"
1. Präsident: Prof. Dr. Jürgen Perl

Geschichte - im Detail

Die Wurzeln bzw. Ursprünge der Sportinformatik gehen auf den bereits früh erkennbaren Bedarf zurück, den Menschen bei der Aufnahme, Verarbeitung, Speicherung, Analyse und Präsentation von Informationen zu unterstützen: "Überall da, wo mehr interessierende Information zur Verfügung steht als aktuell erfasst und verarbeitet werden kann, besteht ein Bedarf an unterstützenden Konzepten, Methoden und Werkzeugen" (Perl & Miethling, 1997, S. 17).

Die Entwicklung führte von ersten praxis- bzw. theoriegeleiteten Versuchen in den 1970er bzw. 1980er Jahren dazu, dass die Sportinformatik heute ein national und international etabliertes Wissenschaftsgebiet ist, das in der universitären Forschung und Lehre verankert ist. In einer ersten Phase der "kreativen Sportinformatik" ging es vor allem darum, ein umfassendes Informations- und Dokumentationssystem für die Sportwissenschaft zu entwickeln. Dieser Bereich hat sich bereits 1960 durch Gründung der International Association for Sports Information (IASI) institutionalisiert und spielt auch heute noch eine große Rolle.

Mit der computergestützten Analyse von Sportspielen gewinnt seit den 1980er Jahren ein zweiter Aspekt an Bedeutung.

Ein dritter Bereich, der auf den Einsatz von Computern nicht mehr verzichten kann, ist die Biomechanik: Computergestützte Erfassung, Bearbeitung und Analyse biomechanischer Daten ist hier zur Routine geworden. Es gibt keinen Wissenschaftsbereich, in dem computergestützte Modellierung eine größere Rolle spielt.

Schon früh spielten auch Fragen der Computer-Anwendung in Lern- und Trainingsprozessen eine Rolle. Einen gewissen Höhepunkt hat diese Entwicklung ohne Zweifel durch die Erstellung von zahlreichen Messplatztrainingsplätzen bzw. Entwicklungsaktivitäten zum E-Learning erlangt.

Ein weiterer Bereich, der ebenfalls quer zu den Teildiziplinen der Sportwissenschaft liegt, ist die mathematisch-statistische Analyse sportwissenschaftlicher Daten.

Stationen und Meilensteine

Waren die Anfänge sportinformatischer Forschungsaktivitäten eher vereinzelt und unsystematisch, so kann man – wie bereits kurz im vorhergehenden Abschnitt angedeutet – feststellen, dass der Organisationsgrad sich zunehmend verbesserte.

In Deutschland wurden seit Ende der 1980er Jahre regelmäßige Workshops mit dem Titel "Sport und Informatik" durchgeführt. Auf diesen Tagungen kamen Informatiker/innen, Mathematiker/innen, Sportwissenschaftler/innen (v.a. Trainingswissenschaftler, Sportmotoriker und Biomechaniker, aber auch Sportpsychologen, Sportsoziologen und Sportpädagogen), Sportpraktiker (v.a. Mitarbeiter von Olympiastützpunkten) und kommerzielle Anbieter von Soft- und Hardware zusammen, um aktuelle Entwicklungen im Schnittstellenbereich von Sport und Informatik sowie neue Produkte bzw. Produktideen zu diskutieren. Die Vorträge und Ergebnisse der Workshops wurden jeweils in Tagungsbänden und im E-Journal "International Journal of Computer Science in Sport" dokumentiert. Auch auf Jahrestagungen der Gesellschaft für Informatik wurden Arbeitskreise mit sportinformatischen Themen präsentiert. Neben diesen Aktivitäten wurden aber auch auf den nationalen Tagungen der jeweiligen Teildisziplinen bzw. Sportart-Kommissionen der Sportwissenschaft sowie internationalen Kongressen (z. B. Jahrestagungen des European College of Sport Science) sportinformatische Themen mehr oder weniger regelmäßig präsentiert und diskutiert.

Seit September 1995 existiert eine eigenständige Sektion Sportinformatik innerhalb der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Insgesamt wurden seit 1996 regelmäßig Sektionstagungen durchgeführt. Seit 1997 werden nationale im Wechsel mit internationalen Tagungen durchgeführt.

Überblick über sportinformatische Tagungen seit 1996

  • 1996� Berlin
  • 1997� Köln, Deutschland
  • 1998� Konstanz
  • 1999� Wien, Österreich
  • 2000� Mainz
  • 2001� Cardiff, Wales
  • 2002� Oldenburg
  • 2003� Barcelona, Spanien
  • 2004� Köln
  • 2005� Hvar, Kroatien
  • 2006� Magdeburg
  • 2007� Calgary, Kanada
  • 2008� Augsburg
  • 2009� Canberra, Australien
  • 2010� Darmstadt

Im Jahre 2003 wurde die International Association of Computer Science in Sport (IACSS) gegründet, die seit 2002 ein E-Journal "International Journal of Computer Science in Sport" (IJCSS) herausgibt.

Ingesamt ist damit ein Prozess der Internationalisierung zu erkennen, der in Zukunft noch weiter vorangetrieben werden soll. Sportinformatik ist damit national und international institutionalisiert und verfügt auch über die geeigneten Publikationsinfrastrukturen, um dieses interdisziplinäre Arbeitsgebiet weiterzuentwickeln. Eine zunehmende Vernetzung wird durch Kooperationen mit Organisationen wie IASI, ECSS, ICSSPE (International Council of Sport Science and Physical Education), IFIP (International Federation for Information Processing) und ISEA (International Sport Engineering Association) vorangetrieben.

Betrachtet man den aktuellen Stand, so kann man erkennen, dass Quantität und Qualität sportinformatischer Forschungsaktivitäten angestiegen sind und eine zunehmende Vernetzung mit den Aktivitäten anderer Institutionen bzw. Organisationen erfolgt.

Literatur zur Geschichte

Baca, A. (2006). Computer science in sport: An overview of history, present fields and future applications (Part I). International Journal of Computer Science in Sport, 5 (Special edition 2), 25-35.

Perl, J. (2006). Computer science in sport: An overview of present fields and future applications (Part II). International Journal of Computer Science in Sport, 5 (Special edition 2), 36-45.

Wiemeyer, J. (2005). Aktuelle Tendenzen in der Sportinformatik. Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge, 46 (2), 19-38.