Teaching, Coaching & Analyzing – Möglichkeiten und Grenzen der Individualisierung

Bericht Jahrestagung dvs-Kommission Fußball 2017 in Bochum

Die Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum lud herzlich zur Jahrestagung 2017 der dvs-Kommission Fußball ins Ruhrgebiet, das Herz des Fußballs, ein. Das Thema der Tagung lautete Teaching, Coaching & Analyzing – Möglichkeiten und Grenzen der Individualisierung. Die dreitägige Veranstaltung beleuchtete aktuelle Entwicklungen und bot eine Plattform für einen offenen, fächerübergreifenden Austausch. Das Programm bot hierzu eine Mischung aus Hauptvorträgen, Arbeitskreisen und sportpraktischen Workshops auf dem Fußballfeld und in den Laborräumen der Fakultät. Besonders die Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus dem deutschen Profifußball bereicherte den ersten Tag der Tagung. Sven Mislintat (Leiter Profiabteilung Borussia Dortmund), André Schubert (zuletzt Trainer Borussia Mönchengladbach), Christian Hochstätter (Sportvorstand VfL Bochum 1848) und Herman „Tiger“ Gerland (Leiter FC Bayern-Campus) gaben in den modernen Räumen der naheliegenden Hochschule für Gesundheit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern tiefe und wissenschaftlich fundierte Einblicke in die tägliche Coaching-, Scouting- und Nachwuchsarbeit. Besonders die Thematik des Umgangs, der selektiven Filterung und Interpretation der „Big Data Flut“ für die mannschaftliche und zunehmend auch für die individuelle Steuerung aller Maßnahmen wurde leidenschaftlich von den Podiumsteilnehmern diskutiert.

Die logische Fortführung dieser Thematik erfolgte am nächsten Tag, an dem vor allem der Hauptvortrag von Prof. Dr. Aaron Coutts (University of Technology Sydney) Leistungsdiagnostik (Analyzing) athletischer Fähigkeiten im Profifußball fokussierte. Zur differenzierten und individuellen Umsetzung der daraus resultierenden Daten fehlen jedoch nach wie vor aus sportwissenschaftlicher Sicht ausreichend evidenzbasierte Leitlinien der individuellen Trainingssteuerung und von sportpraktischer Sicht die notwendigen infrastrukturellen und personellen Rahmenbedingungen. Klassische gruppenstatistische Zugänge zur Beantwortung dieser sportpraktisch relevanten Fragen, so stellte er fest, verlieren vor dem Hintergrund der nachweisbar hohen Individualität von Reaktionen und Adaptationen an Bedeutung. Die „Zauberformel“ der Zukunft lässt sich möglicherweise nur durch ein engmaschiges individuelles „Monitoring“ von internen und externen Belastungen und subjektiven Empfindungen gewürzt mit harten Markern zu Leistung und Regenerationsstatus auffinden.

Der letzte Tagungstag, an dem immer noch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend waren, rundete das Thema mit einem Hauptvortrag zum Thema Möglichkeiten und Grenzen des individuellen Monitorings und zur individuellen Trainings- und Regenerationssteuerung ab. Prof. Dr. Michael Kellmann (Ruhr-Universität Bochum) machte gerade vor dem Hintergrund, dass die Adaptation und die Reaktion auf Trainingsreize sehr individuell sind, klar, dass die Erfassung der subjektiven Befindlichkeit der Athletinnen und Athleten von großer Bedeutung sei.

Wie in guter Tradition wurde die Tagung in Kooperation mit dem BDFL (Bund Deutscher Fußball-Lehrer) und dem DFB (Deutscher Fußball-Bund) durchgeführt.

Zur Förderung fußballinteressierter Nachwuchskräfte zeichnete die Kommission Fußball erstmalig einen Nachwuchspreis aus. Preisträger Manuel Becker (Deutsche Sporthochschule Köln) erhielt im Rahmen der dvs-Kommissionssitzung die Möglichkeiten seine Abschlussarbeit 6-wöchiges Monitoring der Blutparameter Kreatinkinase, Urea und C-reaktives Protein mittels Point-of-Care-Diagnostik bei einer U-19-Fußballbundesligamannschaft innerhalb der Spielsaison zur Optimierung der individualisierten Belastungssteuerung vorzustellen, wobei er zusätzlich einen Sachpreis und die Erstattung der Teilnahmegebühr sowie der Hotelkosten erhielt. Für diesen Preis konnten sich engagierte Nachwuchskräfte aus Wissenschaft und Praxis sowohl mit von ihnen entwickelten Best-Practice Lösungen aus dem Trainingsbetrieb, als auch mit ihren wissenschaftlichen Abschlussarbeiten (B.A., M.A., Diplom, Staatsexamen) bewerben. Die eingereichten Arbeiten sollten sich vertiefend mit wissenschaftsgeleiteten Fragestellungen und/oder praxisorientierten Lösungsansätzen auseinandersetzen. Die Jury bestand aus dem Sprecherrat der Kommission Fußball und einem Mitglied der Ruhr-Universität Bochum, was in diesem Falle Jörn Uhrmeister war.

Die Arbeitskreise und Vorträge wurden durch den Philippka-Sportverlag filmisch dokumentiert und werden in naher Zukunft allen Teilnehmern und der dvs „Kommission Fußball“ zur Verfügung gestellt.

Man verzeichnete täglich 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, am Freitag wurde die Zahl in dem BDFL-Fortbildungsblock durch weitere 70 Fußballtrainer erhöht.

Das Abendprogramm am Freitag wurde mit Besuch des deutschen Fußballmuseums in Dortmund, unter der Führung der ehemaligen Nationalspielerin Annike Krahn und Prof. Dr. Henry Wahlig, mit einem kulturellen Highlight abgerundet.

Auf der Jahrestagung fanden turnusmäßig die Wahlen des Sprecherrats im Rahmen der Mitgliederveranstaltung statt. Die Versammlung wählte einstimmig, Dr. Claudia Augste, Dr. Heiko Lex, Matthias Hoppe, Dr. Carolin Braun und Dr. Daniel Link in den Sprecherrat. Als Sprecher der Kommission wurde Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann gewählt. Ausgeschieden ist nach langjähriger Legislaturperiode Prof. Dr. Oliver Höner, dem ein großer Dank für seine Verdienste innerhalb der Kommission gebührt. In diesem Rahmen wurde ebenfalls der langjährige Mitarbeiter, der Fakultät für Sportwissenschaft in Bochum, Dr. Gerd Thissen aus dem Sprecherrat offiziell verabschiedet.

Die Tagungsleitung, Christian Mengert und Adam Frytz, möchten sich vor allem bei allen Mitarbeitern/innen, Teilnehmern/innen und Studierenden der Fakultät für Sportwissenschaft in Bochum für ihr engagiertes Mitwirken bedanken.

Text: Adam Frytz

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