TRAINING im SPORT

Jahrestagung der dvs-Sektion Trainingswissenschaft in Mainz

Unter dem Motto TRAINING im SPORT fand vom 20. bis 22. September 2017 die 14. Jahrestagung der dvs-Sektion Trainingswissenschaft in Mainz statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Abteilung Theorie und Praxis der Sportarten (Leiter Prof. Dr. Mark Pfeiffer) des Instituts für Sportwissenschaft der Johannes-Gutenberg Universität.

An den drei Tagen konnten die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Hauptvorträge mit anschließendem „Meet the Expert“ und 16 Arbeitskreisen mit mehr als 60 Beiträgen besuchen. Das Themenspektrum der Arbeitskreise reichte von High-Intensity-Training (HIT), über Wearables und Athletenmonitoring, Sportspielanalyse, Trainingsprozessanalyse, Kraftdiagnostik und -training bis hin zu Hypoxie im Sport (Tagungsband & Abstracts).

Für die Hauptvorträge konnten drei international renommierte Wissenschaftler zu den Themengebieten Nachwuchstraining, Ausdauertraining und Sportspieltraining gewonnen werden. Im Anschluss an die Hauptvorträge erhielten die Teilnehmenden in einer „Meet the expert“ Session die Möglichkeit, mit den Vortragenden in ungezwungener und persönlicher Atmosphäre über konkrete Fragen und aktuelle Forschungsthemen zu diskutieren.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Urs Granacher (Universität Potsdam) mit seinem Beitrag „Die Bedeutung von Krafttraining im langfristigen Leistungsaufbau“. Bezugnehmend auf die aktuelle Befundlage und die eigenen Forschungsarbeiten im Projekt „Krafttraining im Nachwuchsleistungssport: KINGS-Studie“ hat Prof. Granacher aufgezeigt, dass die vielfach geäußerten Vorbehalte gegen Krafttraining im Kindes- und Jugendalter einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Vielmehr verdeutlicht der differenzierte Blick auf die Studienlage, dass ein verantwortungsvoll und wissenschaftlich fundiertes Krafttraining unter Berücksichtigung des biologischen Reifegrads positive Effekte sowohl für die Leistungsoptimierung als auch die Verletzungsprävention hat.

Im zweiten Hauptvortrag „Dose-response characteristics in endurance training for highly trained athletes” erläuterte Prof. Dr. Stephen Seiler (University of Agder, Norway) die akuten und chronischen Effekte von Ausdauertraining im Leistungssport. Eingeführt wurde ein Dosis-Wirkungs-Modell mit dem Ziel, sowohl mögliche positive als auch negative Trainingsfolgen aufzuzeigen. Es folgte ein Überblick zum Forschungsstand im Bereich High-Intensity-Training, wobei Prof. Seiler seine eigenen Arbeiten kritisch einordnete. Zusammenfassend wurde für die klassischen Ausdauersportarten trotz zum Teil positiver Effekte von HIT auf die körperliche Leistungsfähigkeit die große Bedeutung von hohen Trainingsumfängen im niedrigen Intensitätsbereich herausgestellt.

Im letzten Hauptvortrag gab Prof. Dr. Magni Mohr (University of Faroe Islands and University of Gothenburg, Sweden) unter dem Titel „Fitness Training in Team Sport – from science to practical execution” tiefgehende Einblicke in den aktuellen Forschungsstand und seine Forschungsarbeiten. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen ist die sportspielspezifische Belastungsstruktur, die von vielen hochintensiven Sprint-Belastungen, unterbrochen von Phasen mit niedriger Intensität, geprägt ist. Physiologische Messungen und muskelbioptische Untersuchungen zeigen, dass sowohl die aerobe als auch die anaerobe Energiebereitstellung stark beansprucht sind, was zu unterschiedlichen Arten der Ermüdung führt. Dieser Erkenntnis sollte das Konditionstraining in den Sportspielen Rechnung tragen.

Neben „klassischen“ Arbeitskreisen fand im Rahmen der Tagung ein Workshop zum Thema „Trainingswissenschaft an Olympiastützpunkten“ statt. Zu dem von Prof. Dr. Ilka Seidel und Eberhard Nixdorf gemeinsam mit den Ausrichtern organisierten Workshop waren Experten der Olympiastützpunkte eingeladen, ihre trainingswissenschaftlichen Arbeiten und Projekte vorzustellen. In den vier Beiträgen wurde deutlich, dass die Trainingswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an den Olympiastützpunkten in zwei Bereichen gefordert sind. Zum einen beim unmittelbaren Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in die Leistungssportpraxis und zum anderen, wenn es darum geht, die Wirksamkeit wissenschaftlich fundierter Handlungsempfehlungen in der konkreten Umsetzung zu überprüfen. Die Olympiastützpunkte arbeiten hier mehrheitlich mit anderen Wissenschaftspartnern wie IAT, FES und universitären Einrichtungen zusammen.

Mit der Jahrestagung wurde weiterhin das Ziel verfolgt, den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Trainingswissenschaft anzusprechen und für die Mitarbeit in der Sektion zu begeistern. Unter anderem wurde der Nachwuchspreis der Jahrestagung der dvs-Sektion Trainingswissenschaft 2017 mit insgesamt 550 Euro für die drei Erstplatzierten ausgelobt. Die sechsköpfige Jury ermittelte aufgrund der Präsentationen von 11 Bewerberinnen und Bewerbern folgende Preisträger:

  1. Platz: Alexander Törpel (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
    "Einsatz von intermittierender normobarer Hypoxie zur Gesundheitsförderung"
  2. Platz: Lukas Zwingmann (Deutsche Sporthochschule Köln)
    "Ein modifizierter Laktat-Minimum-Test als alternatives Verfahren in der Ausdauerleistungsdiagnostik"
  3. Platz: Monika Pauls (TU Kaiserslautern)
    "Influence of a core stability training program on trunk control during lateral movements"

Die Preisverleihung fand im feierlichen Rahmen während der Abendveranstaltung am 21. September 2017 in der alten Mensa der Johannes Gutenberg-Universität statt.

In der Sektionsversammlung am Mittwochabend wurde mit Prof. Dr. Billy Sperlich (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) ein neuer Sprecher der dvs-Sektion Trainingswissenschaft gewählt. Neben dem stellv. Sprecher Prof. Dr. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) gehören zukünftig Prof. Dr. Lars Donath (Universität Basel, DSHS Köln), Prof. Dr. Michael Fröhlich (TU Kaiserlautern), Prof. Dr. Ilka Seidel (OSP Niedersachen) und Dr. Thimo Wiewelhove (Ruhr-Universität-Bochum) dem Sprecherrat an.

Die Ausrichter und die dvs-Sektion Trainingswissenschaft blicken auf drei ereignisreiche Tage zurück und bedanken sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihren Beitrag zum erfolgreichen Gelingen der Tagung.

Weitere Informationen sowie Impressionen unter http://www.dvs-training-2017.de/

Text: Mark Pfeiffer

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