dvs-Präsident Kuno Hottenrott im Gespräch mit Staatssekretär Hans-Georg Engelke

Zuständigkeiten für den Sport ministeriell stärker bündeln

Berlin. Hans-Georg Engelke, Staatssekretär des Bundesministeriums des Innern (BMI) hat dvs-Präsident Prof. Dr. Kuno Hottenrott zu einem persönlichen Gespräch in Berlin empfangen. Anlass für das Treffen waren die kritischen Anmerkungen des dvs-Präsidenten zur Spitzensportreform und der unzureichenden Unterstützung der Leistungssportforschung durch das BMI in seiner Begrüßungsrede im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) im Oktober 2016.

In dem einstündigen Gedankenaustausch wurden unterschiedliche Themenfelder angesprochen. Der dvs-Präsident hob die wachsende Bedeutung von Sport und körperlicher Aktivität in der heutigen Gesellschaft hervor. Die vielschichtigen gesellschaftlichen Anforderungen an den Sport müssten nach Auffassung von Hottenrott zukünftig auch eine stärkere Sichtbarkeit in den Ministerien und Gremien bekommen. Derzeit ist der Sport in unterschiedlichen Ministerien mehr oder weniger stark verortet. Für sportrelevante Querschnittsthemen sind verschiedenen Ressorts zuständig bzw. die Zuständigkeiten sind nicht immer ersichtlich. Mit einer Art „Bundessportbehörde“ beziehungsweise einem „Bundesamt für Sport“ würde nach Hottenrott der Sport eine zentralere Rolle erhalten. Sportbezogene Themen, die die gesamte Gesellschaft durchdringen und über den Leistungs- und Breitensport hinausgehen, könnten somit besser gebündelt und gezielter bearbeitet werden.
Im weiteren Gespräch ging es um die Leistungssportforschung und um die zukünftige Begleitung des Leistungssports durch die Wissenschaft. Der dvs-Präsident stellte heraus, dass aufgrund der geringen Forschungsmittelzuweisung durch das BMI zunehmend weniger sportwissenschaftliche Institute sich mit Fragen der Leistungssportforschung beschäftigen und Sportwissenschaftler/innen ihre Drittmittelforschung auf „lukrativere“ Felder verlagern würden.
Die innovative Leistungsforschung steht damit seiner Meinung nach auf dem Spiel. Die derzeitige Konzentration auf „Service-Forschung“ bzw. „prozessbegleitende Trainings- und Wettkampfforschung“ wird zur Weiterentwicklung des Spitzensports nach Ansicht von Hottenrott wenig beitragen.

Im Anschluss überreichte der dvs-Präsident dem Staatssekretär Hans-Georg Engelke die gerade erschienene Festschrift „40 Jahre dvs“ und verwies nochmals auf die Erfolgsgeschichte der über 1000 Mitglieder starken Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft.

Text: Michael Küppers

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