Qualität von Schneesportunterricht

42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Schneesport an Hochschulen (ASH e.V.) und der dvs-Sektion Schneesport 

„Qualität von Schneesportunterricht“, unter dem Schwerpunkt fand die 42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Schneesport an Hochschulen (ASH e.V.) und der dvs-Sektion Schneesport vom 15.12. bis zum 19.12.2016 traditionsgemäß im Kleinwalsertal/Hirschegg statt.

Das charakteristische Veranstaltungsformat in der Kombination von schneesportpraktischen Workshops und wissenschaftlichen Vortragsreihen unter der engagierten Leitung von Veit Senner (TU München), Verena Oesterhelt (Universität Salzburg), Dieter Bubeck (Universität Stuttgart), Jutta Hannig (PH Heidelberg) und Stefan Künzell (Universität Augsburg) trug maßgeblich dazu bei, dass den Teilnehmern aus Hochschule und Schule ein breites und vielfältiges inhaltliches Spektrum zum zentralen Thema in der aktuellen Fachdiskussion, der Entwicklung und Sicherung von Unterrichtsqualität und zu dessen schneesportspezifischen Diskussion, geboten werden konnte.

Neben den Praxiseinheiten am Hang, in denen die Ausbildungsqualität durch versierte Mitglieder der Lehrteams des Deutschen Skiverbands und des Deutschen Skilehrerverbands durch Einblicke in aktuelle verbandsbezogene Leitideen im Bereich Konzeption, Methodik und Fahrtechnik des professionellen Schneesportwesens bei direkter Anwendung zur Verbesserung des eigenen Skikönnens garantiert wurde, nutzten einige Kolleginnen und Kollegen die bestehende Möglichkeit in enger Theorie-Praxis-Verknüpfung ihre neuesten Forschungsergebnisse nicht nur im wissenschaftlichen Vortrag vorzustellen, sondern zugleich konkret am Gegenstand Schneesport exemplarisch umzusetzen.

Während die Arbeitsgruppe um Dr. Peter Kovar der TU Kaiserslautern Ansätze der sportpädagogischen Mehrperspektivität und des Coachings zu qualitativen methodisch-didaktischen Entwicklungsperspektiven für die (hoch-)schulbezogene Skiunterrichtspraxis darlegten und Manuel Krebs der Universität Mainz sein Modell zur Vermittlung von Freestyle-Elementen im Snowboardunterricht dem theoretischen und praktischen Diskurs stellte, führten Prof. Dr. Erin Gerlach (Universität Potsdam) und Dr. Christian Herrmann (Universität Basel) vor dem Hintergrund empirischer Schuleffektivitätsforschung ihre Überlegungen zur Unterrichtsqualität im Schneesport aus und unterstützten diese durch die Auswertung einer kleinen, im Tagungskontext durchgeführten Erhebung, in der Merkmale guten Skiunterrichts sowohl aus Sicht der Lehrenden als auch der Lernenden bzw. Teilnehmenden abgefragt wurden. Unter dem Titel „Die Qualität des Unterrichts beurteilen und verbessern – Qualitätskriterien und Gütemaßstäbe“ wurde das Kernthema im zentralen Tagungsvortrag aufgegriffen. In seinem Beitrag zeigte Prof. Dr. Alfred Richartz (Universität Hamburg) sehr anschaulich und umfassend fachübergreifende, empirisch fundierte Aspekte zur Qualitätssicherung des Lehrens bzw. Trainierens im Sport anhand des Unterrichts-Beobachtungs-Instruments CLASS auf. Mit der Einbindung entwickelter „Best-Practice-Clips“ für die CLASS-Dimensionen konnte ein beispielhafter Eindruck zum Umgang und zur Verwendung dieses Instruments in der Kompetenzentwicklung von Trainern und Sportlehrkräften vermittelt werden. 

Interessante und eindrucksvolle Impulse in Bezug auf die Entwicklung und den Erwerb von Handlungskompetenz(en) als Leitziel der Bildungsarbeit im Schneesport lieferte Prof. Dr. Günter Amesberger (Universität Salzburg) als weiterer geladener Hauptreferent, der unter der Frage: Kompetenzorientiertes Unterrichten im Schneesport?,  in der Retroperspektive seine Vorreiter-Arbeiten in den 80iger Jahren zu einem pädagogisch-psychologischen Ansatz der neuen alpinen Führungsmethode innerhalb der österreichischen Bergführerausbildung veranschaulichte. Er stellte hierzu Quintessenzen des damaligen innovativen Beratungskonzepts in der Alpinausbildung als generelle Perspektiven für qualitatives und zukunftsorientiertes Unterrichten im (Schnee-)sport mit Anschluss an den gegenwärtigen Diskurs der kompetenzorientierten Unterrichtsentwicklung heraus. Mit spezifischen inhaltsimmanenten und -strukturellen Potentialen für Handlungskompetenzen im Schneesport u.a. setzten sich Prof. Dr. Norbert Gissel und Dr. Arno Krombholz (Universität Bochum) auseinander, die mit ihrem Referat zur didaktischen Sachanalyse einen bildungstheoretisch fundierten Zugang auf die Tagungsthematik wählten und die im fachdidaktischen Diskurs vernachlässigte Inhaltsfrage ins Zentrum ihrer Betrachtungen stellten sowie am Beispiel des Schneesports konkretisierten. 

Neben den wissenschaftlichen Diskussionen und der praktischen Themenbearbeitung gab es aber auch genügend Raum für den kollegialen Austausch über kleinere und größere Vorhaben. An dieser Stelle soll auf ein bundesweit angelegtes, interdisziplinäres Projekt aufmerksam gemacht werden. Pünktlich zum Start der Wintersaison ist seit dem 1. Dezember 2016 der freie Zugriff auf die Online-Plattform WintersportSCHULE (www.wintersportschule.de) möglich. Mit dem ausgewiesenen und übergeordneten Ziel, den Wintersport an Schulen nachhaltig zu fördern und langfristig deutschlandweit einheitlich zu etablieren, hat das Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) gemeinsam mit dem Deutschen Skiverband (DSV), dem Deutschen Skilehrerverband (DSLV) und Snowboard Germany (SVD) unter fachlicher Mitwirkung von ASH-Mitgliedern das Portal entwickelt.  

Dem prägnanten Resümée vom neu- bzw. wiedergewählten ASH-Vorstand lässt sich zum Abschluss nur anschließen: „Auch in diesem Jahr war es wieder eine rundum gelungene Veranstaltung und die gute Stimmung kommt im beigefügten Gruppenbild deutlich zum Ausdruck!“  Selbst die Schneequalität genügte den Ausbildungszwecken, auch wenn diese künstlicher Natur war.   

Text: Wiebke Langer (Universität Osnabrück)
Foto: Veit Senner

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