dvs-Kommission "Kampfkunst und Kampfsport"

Über die Kommission

dvs-Kommission
‚Kampfkunst & Kampfsport‘: Standortbestimmung

Die Kommission Kampfkunst und Kampfsport (KuK) ist die jüngste Teilorganisation innerhalb der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Sie verfolgt das Ziel, die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Themenkomplex Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung in der Sportwissenschaft sowie den Dialog darüber zu stärken und wird von einem Sprecherrat repräsentiert.

Das Herz der Kommission bildet ein Netzwerk von Personen, die sich mit wissenschaftlichen Fragen im Themenfeld sowie der konzeptuellen Fundierung praktischen Handelns auseinandersetzen. Hieraus erwächst ein institutioneller Rahmen, in dem disziplinübergreifend grundständige Klärungen und Reflexionen zum Wissenschafts- und Handlungsfeld verankert werden können sowie ein Anschluss an Diskurse in anderen Wissenschaftsdisziplinen und schließlich ein Austausch an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit (Sportorganisationen, Politik, Medien) möglich wird.

Im Selbstverständnis der Kommission von ihrer Gründung an ist sie ein unabhängiges und neutrales Forum für den interdisziplinären Austausch, in dessen Rahmen das sich dynamisch entwickelnde und umfangreiche Feld Kampfkunst, Kampfsport, Selbstverteidigung systematisch erschlossen werden soll. Die Kommission reagiert damit auf den gesteigerten gesellschaftlichen Stellenwert von zweikampfbezogenen Bewegungskulturen und –praktiken in Sport, Bildung, Medien, Wirtschaft, Politik und Gesundheitssystem.

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Auszug: Positionspapier zur Gründung einer dvs-Kommission „Kampfkunst & Kampfsport“ (April 2011)

1 Einführung
In Deutschland ist seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus zum Teil sehr alten Wurzeln etwas entstanden, das die deutsche Sportwissenschaft betrifft und bewegt, aber von ihr noch nicht systematisch bearbeitet wird. Wir haben es hier mit einem hochdifferenzierten Handlungsfeld zu tun, auf dem gekämpft wird und das wir mit „Kampfkunst & Kampfsport“ überschreiben wollen. Neben den im DOSB organisierten Sportarten Aikido, Bogenschießen, Boxen, Fechten, Judo, Ju-Jutsu, Karate, Ringen und Taekwondo mit ihren etwa
550.000 Mitgliedern zeigt sich hier ein Spektrum – vom Taijiquan am einen bis zum Ultimate Fighting am anderen Ende der Skala –, dem nicht nur esoterische Wirkungen zugesprochen werden, sondern in dem auch viel Geld verdient wird. Dieser Bewegungsbereich umfasst Millionen von Menschen und wird bislang von den Organisations- und Wissenschaftsstrukturen des Sports nur ausschnitthaft erfasst.


2 Bedarf für die Gründung
Obwohl die phänomenologische Aufarbeitung von Kampfsportarten bereits weit fortgeschritten ist, sind deren Darstellungen noch immer stark von Legenden, Tabus und Klischees durchzogen. Gründe sind einerseits der geringe Übersetzungsanteil v.a. asiatischer Kampfkunstliteratur, aber auch die Tendenz von Kampfsportlern, ihre Kunst in der Öffentlichkeit nicht nur zu inszenieren, sondern auch zu mystifizieren. Da der ursprüngliche – kriegerische – Sinn der Kampfkunst nur noch in der Not- oder Schutzwehrsituation legitim ist, befindet sich der Kampfsport in einer (kaum erforschten) Phase der Sinnsuche und -differenzierung. Gegenwärtig werden auch pädagogische Chancen des Kampfsports sportwissenschaftlich ausgelotet, wodurch sich mit dem Lernfeld „Kämpfen - ein schuldidaktischer Ableger entwickelt hat. Insofern stellt bereits der Name der Kommission eine Herausforderung dar. Im Begriffsfeld finden wir „Kämpfen“ als elementares Handeln. Anthropologisch betrachtet schließt sich das Kämpfen des Kriegers – später des Soldaten – als für die Gemeinschaft übernommene oder gesellschaftlich ausdifferenzierte und an Spezialisten delegierte Aufgabe an. Solche Spezialisten verfügen über eine durch  beharrliches Üben erworbene Kampf-Kunst, die wohl bald auch auf spielerische Weise erprobt und – viel später – in einigen Ausprägungen zum Kampf-Sport wird. In Verbindung mit ethisch-moralischen und religiös-philosophischen  Konzepten kann daraus auch ein Lebensweg entstehen. Die Wahl des Doppelbegriffs „Kampfkunst & Kampfsport“ erfolgt aus pragmatischen Gründen – erstens in Ermangelung eines deutschen Pendants zum englischen Sammelbegriff „Martial Arts“, zweitens, um auf die Hauptphänomene der kulturellen Entwicklung zu fokussieren, und drittens im Hinblick auf die Kommunikation nach außen. Kämpfen als elementares Handeln und als Lebensweg ist dabei implizit mitgedacht.
Die Vielfalt an Kampfkünsten und -sportarten ist letztlich das Produkt unterschiedlichster Aspekte und Einflüsse wie bspw. Landesherkunft, Entstehungsgeschichte, Anwendungsbereich, Wettkampfdisziplinen und -reglement (soweit vorhanden), Bewegungssystematik, Technikrepertoire und -verständnis, (pseudo-)religiöser Unterlegung und (Vereins-)Etikette. Dies ergibt einen weitläufigen Forschungshorizont, der historische, soziologische, ökonomische, juristische, psychologische, bewegungs- und trainingswissenschaftliche, biomechanische und -medizinische, philosophische, pädagogische und didaktische, medien- und informationswissenschaftliche sowie künstlerische Fragestellungen umfasst.
Vor diesem Hintergrund basiert der Gründungsbedarf für eine Kommission Kampfkunst & Kampfsport zusammengefasst auf drei (wissenschafts-)systematischen Ansprüchen, die der Sportwissenschaft aus diesem Handlungsfeld erwachsen: Beschreibung, Erklärung und Deutung. Damit, so unsere Überzeugung, erschließen wir nicht nur sportwissenschaftlich ertragreiches Neuland, sondern dienen auch der Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst.

Lesen Sie hier das gesamte Postitionspapier (PDF)

Sprecher/in der dvs-Kommission "Kampfkunst und Kampfsport"

2012 - 2014:  Prof. Dr. Peter Kuhn (Universität Bayreuth)

2014 - 2016: Dr. Martin Joh. Meyer (Universität Vechta)

2016 – heute: Univ.-Prof. Dr. Swen Körner (Deutsche Sporthochschule Köln)