Körper, Kult und Konfession.
Religiöse Dimensionen des Sports und Körperkults

Jahrestagung der dvs-Sektion Sportsoziologie in Kooperation mit den
DGS-Sektionen "Soziologie des Körpers und des Sports" und "Religionssoziologie"
25.-27. November 2010?in Frankfurt am Main

Die Sektion Sportsoziologie der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) veranstaltet in Kooperation mit den Sektionen "Soziologie des Körpers und des Sports" und "Religionssoziologie" der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) vom 25.-27. November 2010 an der Goethe-Universität Frankfurt ihre Jahrestagung zum Thema "Körper, Kult und Konfession. Religiöse Dimensionen des Sports und Körperkults". Im Mittelpunkt der Tagung steht die Frage, welche Rolle Religion in den Praktiken und Institutionen der gegenwärtigen Körper-, Bewegungs- und Sportkultur spielt. Die Leitthese lautet: Ungeachtet des modernen Säkularisierungsprozesses ist Religion selbst in so vermeintlich religionsfernen gesellschaftlichen Feldern wie dem Sport und der Körperkultur von großer sozialer und personaler Relevanz.

Die empirische Grundlage dieser These ist alt und neu zugleich. Sie knüpft an Pierre de Coubertins Vorstellung an, die neuzeitlichen Olympischen Spiele sollten eine "säkulare Religion mit Kirche, Dogma, Kultus, religiösem Gefühl" sein. Dieser Idee folgend, steht am Beginn des modernen Sports eine enge Verschränkung von Sport und Religion. Solche säkularisierten Formen von Religion finden sich ebenso im Sport und Körperkult der Gegenwart. Zu beobachten ist das an den vielfältigen kultisch-rituellen Praktiken in diesen sozialen Feldern. Darüber hinaus bestehen auch zwischen traditionellen Religionen einerseits, Sport, Körper- und Bewegungskultur andererseits zahlreiche Wechselwirkungen von gesellschaftlicher und individueller Bedeutung. Die Tagung greift diese ungebrochene Aktualität der Verschränkung von Körper, Sport und Religion auf, um sie erstmals innerhalb der dvs und DGS in konzentrierter Form zu diskutieren.

Die Vorträge der Tagung sollen die Verschränkung von Körper, Sport und Religion vor dem Hintergrund eines breiten bzw. differenzierten Religionsverständnisses thematisieren. Einer religionssoziologischen Unterscheidung folgend, wird Religion hier sowohl in einem "substanzialem" als auch einem "funktionalem" Sinne verstanden. Die Beiträge behandeln entsprechend in der ersten Wortbedeutung die Wechselwirkung zwischen Körper/Sport und traditionellen Kirchenreligionen, im zweiten Wortsinne Körper/Sport als diesseits- oder ersatzreligiöse Praktiken. Die theoretisch und/oder empirisch angelegten Beiträge können beispielhaft folgende Themenfelder zum Gegenstand haben:

Konfessionelle Zugehörigkeit und Sportpraxis

  • Soziale Integration in und durch ethnisch-religiöse Sportvereine
  • Muslimische Frauen und Sport
  • Antisemitismus im Sport
  • Konfessionszugehärigkeit und leistungssportliches Engagement
  • Konfessionszugehörigkeit und spitzensportlicher Erfolg
  • Glauben im Sport
  • Sport als Rekrutierungsmechanismus für Kirchen
  • Asiatische Kampfkünste und/als westlich-moderner Sport
  • Sport in außereuropäischen Religionskulturen
  • Sport als gelebte Ökumene
  • Religionsverständnisse im Sport und in der Sportwissenschaft

Religiöse Erfahrungen im Sport und Körperkult

  • Selbsttranszendenz durch Grenzerfahrungen im Extremsport
  • Ekstase, Trance, kollektive "Efferveszenzen" im Risikosport, in der Sexualität oder Spiritualität

Ersatz-/Diesseitsreligiöse Funktionen von Sport und Körperkult

  • Personale Sinn- und Identitätsstiftung durch Leistungssport, Anorexie oder Schönheitshandeln
  • Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühle bei?Sportgroßveranstaltungen oder in Fangruppen

Ersatz-/Diesseitsreligiöse Rituale, Symbole und kultische Praktiken im Sport

  • Olympische Spiele als "religio athlethae " (P. de Coubertin) - auch im 21. Jahrhundert?
  • Kultisch-religiöse Feiern, Feste, Liturgien etc. bei sportlichen Großereignissen
  • Sportstätten als heilige Räume und Wallfahrtsorte (Tempel, Kathedralen, Arenen)
  • Rituale im und außerhalb des Stadions (Athleten, Zuschauer/Fans)
  • Aberglaube, Magie, Zauber, Totemismus im Sport
  • Kleidung, Reliquien, Gesänge, Gesten etc. als religiöse Symbole von Sportlern und Fans

Religi�se Aspekte des Mediensports

  • Konstruktion quasi-religiöser Sozialfiguren im Medien vermittelten Sport (Helden, Götter, Heilige, Ikonen)
  • Religiöse Metaphorik, Mythen- und?Legendenbildung in der Sportberichterstattung
  • Ethisch-religiöse Aspekte der Dopingberichterstattung

Technologisierung von Körper und Sport, Leben und Schöpfung

  • Neuro- und Gendoping - ethisch-religiöse Grenzen biotechnischer Eingriffe
  • Der Mensch als Schöpfer der (Körper-)Natur - Risiken und Chancen

Die Tagung wird Raum und Zeit für ausführliche Diskussionen zu den einzelnen Vorträgen zur Verfügung stellen. Es werden für die einzelnen Vorträge Zeitfenster von ca. 30-40 Minuten eingeplant. Nachwuchswissenschaftler/innen sind herzlich zur Einreichung von Abstracts aufgefordert. Vorschläge für Beiträge zur Tagung (max. 2.500 Zeichen) schicken Sie bitte bis zum 30. April 2010 per eMail an die u. a. Kontaktadresse. Die Vorschläge werden von einem wissenschaftlichen Komitee begutachtet. Die Mitteilung über die Annahme eines Vortrags erfolgt bis 30. Juni 2010.

Das Call for Papers finden Sie auch hier als PDF-Datei.

Kontakt
Prof. Dr. Robert Gugutzer
Goethe Universität Frankfurt am Main
Institut für Sportwissenschaften
Ginnheimer Landstraße 39
60487 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 798-24529
eMail: gugutzer@sport.uni-frankfurt.de