Ehrenmitgliedschaft für Ommo Grupe

Tübinger Wissenschaftler für seine besonderen Verdienste um die Entwicklung der Sportwissenschaft ausgezeichnet

dvs-Präsident Bernd Strauß übergibt die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft an Ommo Grupe

Der emeritierte Tübinger Sportwissenschaftler
Prof. Dr. Dr. h.c. Ommo Grupe wurde beim 19. Sportwissenschaftlichen Hochschultag der dvs
in Münster zum Ehrenmitglied der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) ernannt. Grupe wurde für seine Verdienste um die Entwicklung der Sportwissenschaft mit der erstmals von der dvs vergebenen Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.

Die Hauptversammlung der dvs folgte dem Vorschlag des dvs-Präsidiums einstimmig und mit lang anhaltenden "Standing Ovations" für den 78-jährigen Grupe, der als Nestor der Sportwissenschaft in Deutschland gilt.

Der scheidende dvs-Präsident Prof. Dr. Bernd Strauß (Münster) hob in der Laudatio die besonderen Leistungen Ommo Grupes für die Sportwissenschaft hervor: "Wenn ich in das Auditorium blicke, sehe ich zahlreiche ehemalige Doktoranden, Habilitanden und ehemalige Tübinger Assistenten, heute renommierte Professoren, einige noch im Dienst, einige bereits im Ruhestand, und zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die in ganz vielfältiger Weise von Grupes Werk, inhaltlich, aber genauso wissenschaftspolitisch nicht nur beeinflusst, sondern maßgeblich geprägt wurden. Und diese, seine unmittelbaren ehemaligen Mitarbeiter und seine Kolleginnen und Kollegen haben wieder sportwissenschaftlichen Nachwuchs gefördert, die seine Gedanken, seine Einstellung zur Sportwissenschaft und zum Sport, seine Gedanken zur Einheit der Sportwissenschaft, zum Verhältnis von öffentlichem und organisierten Sport und Sportwissenschaft in sich weitertragen und weiterleben, manchmal mit direktem Bezug auf Ommo Grupe, manchmal auch nur implizit und indirekt oder manchmal - zur Schärfung der eigenen Position - auch kritisch."

Zu den Verdiensten Grupes bei der Etablierung des Faches Sportwissenschaft an den Universitäten sagte Strauß: "Die Einheit des Faches, die Sportwissenschaft, der Aufbau eines eigenständigen Faches an den Universitäten, der untrennbare Bezug der Sportwissenschaft zum öffentlichen Sport und die Etablierung der Sportwissenschaft gegenüber dem organisierten Sport sind ganz außerordentliche Verdienste deiner Arbeit, von denen wir alle heute profitieren. Ommo Grupe hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass es das Fach Sportwissenschaft an den Universitäten heute gibt. Mit ihm fanden sowohl der Deutsche Sportbund als auch der Bund einen Wissenschaftler, der gerade in den 1960er Jahren dabei war, eine Theorie der Leibeserziehung zu entwickeln und das Thema des Sports an den Universitäten hoffähig zu machen. Heute haben die sportwissenschaftlichen Institute selbstverständlich Promotions- und Habilitationsrecht. Dies war damals nicht so, im Gegenteil, es musste erkämpft werden und es bedurfte lange Zeit einiger Fürsprecher aus etablierteren Fächern, um den Sport an den Universitäten hoffähig zu machen."

Nach seinem Studium an der Sporthochschule Köln und den Universitäten Köln und Münster, wo er Pädagogik, Philosophie, Psychologie und englische Philologie studierte, promovierte der gebürtige Ostfriese Ommo Grupe 1957 in Münster im Fach Pädagogik mit einer Arbeit zu "Leibesübung und Erziehung". Die Habilitation folgte 1967 in Tübingen und er erhielt die Venia in "Erziehungswissenschaft mit Betonung der Theorie der Leibeserziehung", als erster in Deutschland. 1968 übernahm er die Professur für die Theorie der Leibeserziehung, die dann ab 1970 Professur für Sportwissenschaft hieß. Bis zu seiner Emeritierung 1999 wirkte er trotz zahlreicher Rufe anderer Universitäten an der Eberhard Karls Universität Tübingen als Direktor des Instituts für Sportwissenschaft.

Bernd Strauß wies in seiner Laudatio den Verdiensten Grupes um die Verbindungen zwischen Sportwissenschaft, Sportpolitik und den Sportorganisationen eine besondere Rolle zu: "Herausragend für die weitere Entwicklung der Sportwissenschaft in Deutschland in den 1970er Jahren und für die fördernde Rolle des Deutschen Sportbundes war der große internationale olympische Kongress 1972 in München, bei dem Grupe entscheidend und federführend als Vorsitzender des Kongressausschuss in engster Zusammenarbeit mit dem DSB-Präsidenten Willi Daume gewirkt hat. 1971 gründete Ommo Grupe quasi als Programm für die neue Wissenschaftsdisziplin die Zeitschrift "Sportwissenschaft". Bis 2005 hat er die Zeitschrift als Geschäftsführender Herausgeber geleitet. Im Deutschen Sportbund war Ommo Grupe von 1974-1986 Mitglied des Präsidiums und Vorsitzender des Bundesausschusses für Wissenschaft, Bildung und Gesundheit, von 1986-1994 Vizepräsident des DSB. 1994 wurde er zum Ehrenmitglied des DSB ernannt. Von 1970-1997 war er Vorsitzender des Direktoriums des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. An bedeutenden Ehrungen hat Ommo Grupe die Carl-Diem-Plakette, die Ehrendoktorwürde der Universität Bayreuth und das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten."

Im Beisein der ehemaligen dvs-Präsidenten Prof. Dr. Elk Franke (Berlin) und Prof. Dr. Dietrich Kurz (Bielefeld) überreichte Bernd Strauß Ommo Grupe eine Urkunde zu seiner Ehrenmitgliedschaft. Außerdem erfreuten Strauß und dvs-Geschäftsführer Frederik Borkenhagen Ommo Grupe mit einigen kleinen Präsenten.

In seiner Dankesrede zeigte sich Grupe sehr berührt von der Ehrung. Er gab den versammelten dvs-Mitgliedern aber auch mahnende Worte mit auf den Weg - nämlich die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nicht zu vernachlässigen und verstärkt dafür Sorge zu tragen, dass die Einheit der Disziplin Sportwissenschaft weiter gewahrt bleibt.

Hamburg/Münster, September 2009

Fotos

Alle Fotos: Nils Eden, Damian Karch, Sebastian Deppe / IfS Münster