Bildung Macht Körper

Jahrestagung der dvs-Kommission Geschlechterforschung
im Rahmen des 19. dvs-Hochschultages
16.-18. September 2009 in Münster

Die Jahrestagung der dvs-Kommission Geschlechterforschung findet im Rahmen des 19. Sportwissenschaftlichen Hochschultages der dvs in Münster statt. Im Zentrum der zwei Kommissions-Arbeitskreise soll der Blick auf die Leistungen des Bildungssystems für Lernprozesse von Akteurinnen und Akteuren gerichtet werden. Inwieweit kann Bildung unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Bedingungen und individueller Erfahrungen zu einer Neuorganisation der subjektiven Stellung zu sich, zu anderen und zur sozialen Welt führen? Zunächst ist davon auszugehen, dass soziale Strukturen und Herrschaftsverhältnisse inkorporiert und somatisiert werden. In Bildung und Erziehung, im Lehren und Lernen erfolgt eine soziale Formung, Technisierung und Disziplinierung des Körpers nach Maßgabe der Geschlechts-, Klassen- und/oder ethnischen Zughörigkeit. D. h. letztere fungieren als Strukturgeber, die den Zugang zu bestimmten Feldern oder Handlungsspielräumen eröffnen, einschränken oder sogar verschließen können. Mit der äußeren Formung werden zugleich durch das Nachahmen von Haltungen und Bewegungen, Mimiken und Gesten spezifische Weltsichten erzeugt, innere Instanzen und Kompetenzen der Repräsentation des Sozialen, z. B. der Geschlechtszugehörigkeit, aufgebaut, die wiederum nach außen, im Habitus (Bourdieu), zum Ausdruck kommen. Das Fazit ist, dass eine bildungstheoretische Perspektive, die sich am Leitbild eines sich selbst bildenden, sich selbst reflektierenden Subjekts orientiert, die Einschreibung sozialer Tatsachen in den Körper und die sich daraus ergebenden Handlungsselbstverständlichkeiten mit in die Diskussion einbeziehen muss.

Fragestellungen, die sich daran anknüpfen lassen, sind:

  1. Blick auf Lehr-Lern-Arrangements in Bildungsinstitutionen
    Inwieweit tragen die institutionell-organisatorischen Dispositive, z. B. die räumlich-architektonischen Arrangements, die institutionalisierten Praxen (auch Rituale), reglementierenden Entscheidungen, Diskurse, wissenschaftlichen Aussagen und Strategien, Inhalte, Methoden und Techniken zur Re- und Dekonstruktion des erworbenen Habitus bei?
  2. Blick auf biografische Erfahrungen der (Sport-)Lehrkräfte
    Welche Habitusformen haben Lehrerinnen und Lehrer im Kontext ihrer sportbezogenen Fachkultur entwickelt, an welchen Stellen bringen sie diese in den Unterricht ein und (re-)pro-duzieren Formen sozialer Ungleichheit, wo stellen sie z. B. Geschlechterverhältnisse in Frage und dekonstruieren tradierte Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit?
  3. Blick auf den Umgang mit Heterogenität im Sport
    Welche Kompetenzen benötigen Sportlehrkräfte, Trainer/-innen oder Übungsleiter/-innen, um Heterogenität als gesellschaftliches und pädagogisches Leitmotiv zu verstehen? Welche Methoden des Lehrens und Lernens sind notwendig, um der Heterogenität im Handlungsfeld gerecht zu werden?

Interessierte Kolleginnen und Kollegen reichen ihre Beitragsangebote bitte bis zum 31. März 2009 über die Homepage des dvs-Hochschultages (www.dvs2009.de) nach den dort hinterlegten Anforderungen ein (bei der Beitragsanmeldung bitte zusätzlich "Jahrestagung Geschlechterforschung" angeben). Nachwuchswissenschaftler/innen werden auf den Wettbewerb um den dvs-Nachwuchspreis hingewiesen.

Die Anmeldung zur Teilnahme am dvs-Hochschultag schließt die Anmeldung zur Jahrestagung der Kommission mit ein. Eine separate Anmeldung erfolgt nicht. Alle Hinweise zur Anmeldung finden Sie unter www.dvs2009.de

Kontakt
Prof. Dr. Gabriele Sobiech
Pädagogische Hochschule?Freiburg
Institut für Sportpädagogik und Sport
Schwarzwaldstr. 175
79117 Freiburg
Tel.: (0761) 203-4574/-4573
Fax: (0761) 203-4578
eMail: sobiech@ph-freiburg.de