Mehr Bewegung und Sport für Kinder

Krupp-Stiftung stellt "Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht" vor

Als vor fünf Jahren der "Erste Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht" erschien, horchten viele Fachleute in Politik, Verbänden, Vereinen und Schulen auf. Die Studie, erstellt auf Initiative der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, dokumentierte das zum damaligen Zeitpunkt verfügbare Wissen zur Sport- und Bewegungswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie widerlegte in einigen zentralen Punkten weit verbreitete Vorurteile über die Rolle des Sports in der Jugend, so auch das Schlagwort von den "fetten, faulen und fernsehsüchtigen" Heranwachsenden.

Auf der Basis dieses ersten Berichts hat die Stiftung eine Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit in Auftrag gegeben. Am 11. November 2008 wurde in der Villa Hägel in Essen das Ergebnis der Forschungen der Öffentlichkeit vorgestellt, der "Zweite Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht". Er befasst sich im Schwerpunkt mit der Bedeutung des Sports für Kinder bis etwa zum zwölften Lebensjahr.

Berthold Beitz, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, überreichte den Bericht an den für Sport zuständigen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und den Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper. Vor zahlreichen Vertretern aus der Politik, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Verbänden und Sportinstitutionen bekräftigte er, die Stiftung wolle dazu beitragen, dass Politik, Gesellschaft und Sportverbände der Förderung des Kindersports einen höheren Stellenwert geben als bisher.

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble sagte: "In den frühen Jahren der Kindheit werden die Weichen gestellt, ob sportliche Betätigung als ein unverzichtbarer und positiv besetzter Bestandteil des Lebens oder nur als lästige Pflicht angesehen wird. Es ist eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe, Kindern hier den richtigen Start zu geben. Bereits der Erste Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht war ein bedeutender Beitrag für die Entwicklung des Sports von Kindern und Jugendlichen. Ich gehe davon aus, dass auch der Zweite Bericht ein Meilenstein für die Bewegung und den Sport der Kinder sein wird, an dem sich diejenigen, die in Familie, Gesellschaft und Politik Verantwortung für die Kinder tragen, orientieren können. Ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse dieses Berichts Grundlage für Diskussionen in vielen Bereichen des Kinder- und Jugendsports in Deutschland sein werden. Für unsere Kinder erhoffe ich, dass die Diskussionen letztendlich auch zu sinnvollen Verbesserungen führen werden. Da ich von der Wichtigkeit der Förderung des Kinder- und Jugendsports überzeugt bin, werde ich mich hierfür einsetzen."

"Kinder sind unsere Zukunft", sagte Michael Vesper. "In diese wollen und müssen wir investieren. Dabei ist es notwendig, Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern zu schaffen. Die Mitgliedsorganisationen des DOSB bringen über ihre Jugendorganisationen rund 9,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Bewegung. Sie alle sind unter dem Dach der Deutschen Sportjugend tätig. Der Zweite Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht bietet einen hervorragenden Überblick über dieses Leistungsspektrum im organisierten Kinder- und Jugendsport. Wir danken der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, dass sie es ermöglicht hat, diesen zu erstellen."

Insgesamt 24 Autoren- Sportwissenschaftler und Pädagogen, Sportsoziologen, Sportmediziner und Ernährungswissenschaftler - haben für diesen Bericht die Effekte untersucht, die Bewegung und Sport auf die sprachliche, soziale und schulische Entwicklung, die gesellschaftliche Integration und die körperliche Entwicklung von Kindern haben können. In fünf Kapiteln beschäftigen sie sich mit den Bedingungen, unter denen Kinder in Deutschland aufwachsen, mit Gesundheit und motorischem Leistungsvermögen von Kindern, mit der Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport in der frühen Kindheit und im Grundschulalter sowie mit dem Sportengagement von Kindern in ihrem normalen Umfeld und im Leistungssport.

Die drei Herausgeber des Berichts, Prof. Dr. Werner Schmidt (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück) und Prof. Dr. Klaus Völker (Universität Münster), stellten die zentralen Erkenntnisse der Studie vor. Sport und Bewegung seien fester Bestandteil der Lebenswelt nahezu aller Kinder und böten daher wie kaum ein anderer Bereich die Möglichkeit, positiv auf ihre Entwicklung einzuwirken. Sport und bewegungsorientierter Unterricht bereits in der frühkindlichen Erziehung und in der Grundschule, so zeige es die Forschung, unterstützten in vielfältiger Weise die sprachliche, intellektuelle und körperliche Entwicklung von Kindern. Sie leisteten zudem einen wichtigen Beitrag, soziale Schranken zu überwinden und die Integration benachteiligter Kinder abzubauen.

Diese Möglichkeiten des Sports müßten in Deutschland wesentlich systematischer und intensiver ausgeschöpft werden als bisher, so die Wissenschaftler. Ihre wichtigsten Handlungsempfehlungen für die frühkindliche Bildung, den Grundschulsport und den Sportverein lauten:

  • flächendeckende Einrichtung von Bewegungskindergärten und Einführung des Pflichtfaches "Bewegung" in die Ausbildung von Erzieherinnen
  • flächendeckende Einrichtung der "Bewegten Grundschule"
  • Sportunterricht in der Grundschule nur durch Fachlehrkräfte
  • Abkehr von der frühen sportartspezifischen Spezialisierung und der frühen Kader-Auslese
  • Entwicklung eines Basis-Lehrplans für alle Sportfachverbände im Sinne einer umfassenden motorischen Förderung von Kindern.

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