Sportentwicklung als Gegenstand soziologischer Forschung und Beratung

Jahrestagung der dvs-Sektion Sportsoziologie
3.-5. November 2011 in Bochum

Vom Begriff her schwer zu fassen ist Sportentwicklung heute ein breites wissenschaftliches Forschungsgebiet, dem viele vorliegende sozialwissenschaftliche Studien, z. B. zur Entwicklung der Sportvereine und des informellen Sports oder auch Analysen und Konzepte zur Inklusion bislang benachteiligter Gruppen in den Sport zugeordnet werden können. Es lassen sich dabei grob zwei Forschungsperspektiven unterscheiden: Zum einen werden Entwicklungen im Sport und deren gesellschaftliche Hintergründe untersucht, also Veränderungen, die durch den demografischen Wandel, durch Individualisierung und Pluralisierung, Kommerzialisierung und Professionalisierung beeinflusst sind. Zum anderen geht es um eine intendierte Beeinflussung und Entwicklung von Sport mit dem Ziel, gesellschaftlich wünschenswerte Zustände zu erreichen, somit um Entwicklung durch Sport.

Gerade bei der zweiten Perspektive ist zu beobachten, dass aus der Praxis neue Anforderungen an die Wissenschaft herangetragen werden. Sportsoziologinnen und -soziologen sind immer häufiger aufgefordert, über Beschreibungen und Erklärungen der Sportentwicklung hinaus den organisierten Sport, die Sport-, Sozial- und Stadtpolitik oder auch die Sportwirtschaft bei der Bearbeitung ihrer Probleme zu beraten. Dies reicht von der Bereitstellung von spezifischem Fachwissen bis hin zur Mitarbeit an Sportentwicklungskonzepten oder sozialen Interventionsprogrammen und deren Evaluation.?

Ziel der Tagung ist es, den Beitrag der Sozialwissenschaften bei der Beratung und Entwicklung des Sports zu reflektieren und zugleich auch für die Erforschung des Phänomens Sportentwicklung eine Perspektivenerweiterung vorzunehmen. Dies soll u. a. durch folgende Zugänge erreicht werden:

Mehrperspektivität: Die theoretischen Ansätze und Erkenntnisse der verschiedenen Disziplinen der Soziologie bzw. der Sozialwissenschaften sind für die Analyse der Sportentwicklung sehr gewinnbringend. So kann z. B. der Neubau vieler moderner Stadien für die Austragung von Sportgroßveranstaltungen nicht mehr nur als Sportförderung eingeordnet werden, sondern er ist auch Element einer schon seit Jahren festzustellenden "Festivalisierung der Stadtpolitik" (Häusermann). Die Tagung will folglich Forscherinnen und Forscher aus der Sport-, Kultur-, Organisations-, Stadt-, Migrationssoziologie, Sozialpolitik, wie auch Politik- oder Arbeitswissenschaft zum Austausch zusammen führen.

Ländervergleichende Studien: Fragen der Sportentwicklung wurden in der deutschen Diskussion bisher vorrangig bezogen auf das eigene Land behandelt. Nur zu einigen wenigen Themenbereichen, u. a. dem Jugendsport, Leistungssportsysteme, liegen komparative Studien vor (vgl. Wojciechowski, 2009). Somit gilt es entsprechende Forschung anzuregen. Auf der Tagung sollen Forschungsergebnisse? aus anderen europäischen und nicht-europäischen Ländern durch die Einladung von internationalen Kolleginnen und Kollegen eingebracht werden.

Die Veranstaltung wird hinreichend Raum für Diskussionen bieten. Daher sind vorerst keine parallelen Arbeitskreise geplant, sondern nur Vorträge im Plenum, ggf. auch Diskussionsforen oder Podiumsdiskussionen. Es besteht aber darüber hinaus die Möglichkeit, Posterpräsentationen eigener Forschungsergebnisse einzubringen.

Es ist angestrebt, die besten Tagungsbeiträge ggf. in einem Themenheft in der Zeitschrift "Sport und Gesellschaft - Sport and Society" zu publizieren.

Organisation:
Prof. Dr. Marie-Luise Klein und Dr. Angela Deitersen-Wieber, Lehr- und Forschungsbereich Sportmanagement/Sportsoziologie der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Kontakt
Dr. Angela Deitersen-Wieber
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Sportwissenschaft
LFB Sportmanagement/Sportsoziologie
44780 Bochum
Tel.: 0234/32-23646 und 0234/32-23842 (Sekr.)
E-Mail: angela.deitersen-wieber@rub.de

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